Autor Thema: "Leistungsvergleich"  (Gelesen 496 mal)

Offline raminchen

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"Leistungsvergleich"
« am: Januar 13, 2012, 09:58:56 »
Hallo p)

Meine Tochter ( 6 ) geht in die 2.Klasse einer Montessori-Schule und obwohl Sie dort noch keine Noten bekommt, fängt Sie an ihre Leistungen zu vergleichen. Natürlich nur in den Bereichen in denen Sie hinterher ist ( betrifft nur Mathe ). Sie mag kein Mathe und macht "Heftarbeit" nur wenn die Lehrerin es sagt. Jetzt hat die Lehrerin gesagt, Sie muss einen Zahn zulegen. Seitdem höre ich von ihr ständig, dass die soundso schon ihr Heft fertig hat und sogar manche 1.Klässler weiter sind. Sie weiss genau welches Kind in welchem Fach wie weit ist.
Leider hat meine Maus sehr wenig Selbstbewusstsein und denkt, dass Sie schlecht ist und nicht aufs Gymnasium kann. Das Sie dafür in Deutsch schon 4. Klässler Aufgaben macht und auch sonst alles super macht, interessiert Sie nicht. Meine kleine Pessimistin :(

Wie ist es denn bei Euren Kindern? Wenn Sie sich vergleichen, kann es doch auch in Ehrgeiz umschlagen - oder?
Mal sehen, entweder Sie wird dadurch angespornt, oder Sie macht gar nix mehr weil Sie denkt, die Anderen sind sowieso alle besser. ( Was natürlich nicht stimmt! )

Offline Schildkröte

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Re: "Leistungsvergleich"
« Antwort #1 am: Januar 13, 2012, 19:35:50 »
Hallo,

meine vergleicht, seit sie im Autositz aus dem Fenster sehen kann: "schneller Mama, den überholen wir, wir sind schneller....."

Sie ist der Meinung, daß sie alle kann und natürlich besser als die anderen. Es sei denn, sie sind z.B. beim Sport älter.

Dazu ist sie auch superehrgeizig.

Dieses Kind möchte "springen" und ich würde es aus dem Grunde, den du anführst befürworten. Auch mal merken, daß man nicht alles perfekt und als bestes Kind machen kann. Andere können auch etwas und eben manchmal auch besser als man selbst.

In der Klasse (auch an der 4. Grundschule) ist sie eigentlich überall die Beste. Außer vielleicht in Kunst und Sauberkeit.

Je älter sie wird, desto härter wird vermutlich die Kritik einschlagen.

Das wird nicht schön.

Da ist es besser, auch mal früher eine "Grenze" zu kennen und sich auch bemühen zu müssen.

Schildi




Offline Anekdote

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Re: "Leistungsvergleich"
« Antwort #2 am: Januar 13, 2012, 20:52:57 »
Hi,

ich weiß nicht, ob Vergleiche mit anderen Kindern das Selbstbewusstsein stärken können. Eigentlich wird das Selbstbewusstsein gestärkt durch eine Reihe von Abläufen, die ein Kind regelmäßig mal erleben sollte, manchmal reicht auch die abgespeckte Form ohne öffentlichen Vortrag.

1. Anforderung
2. sie darf nicht zu hoch, aber auch nicht zu niedrig ist
3. Mühe, sich etwas zu erarbeiten
4. endlich geschafft - das Ziel erreicht - stolz über die gelöste Aufgabe
5. Anerkennung in der Umgebung (optimal als Vorführung o. Referat)
6. Glücksgefühl, Selbstwertgefühl, Motivation

Das hat nur bedingt etwas mit anderen Kindern zu tun meine ich. Gerade wenn die weniger begabt sind, ist ein direkter Vergleich in meinen Augen eher unfair.

Raminchen, warum glaubt sie, dass sie nicht aufs Gymnasium kommt? Und warum macht sie sich über sowas schon Gedanken? Kannst Du ihr denn Druck da ein wenig nehmen? Vlt. sprichst Du mal mit der Lehrerin, dass das Kind mal mitbekommt, wo sie leistungsmäßig steht.

LG
"Individuelle Förderung, alle sagten bei uns geht das nicht. Dann kam einer, der das nicht wusste und machte es einfach. " nach Begabungspädagogin Petra Esser

Offline raminchen

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Re: "Leistungsvergleich"
« Antwort #3 am: Januar 13, 2012, 21:19:46 »
naja, es gibt eine Mitschülerin die manchmal Sachen sagt, die meine Maus verletzen. Ich denke es ist normaler "Kinderkram", aber Maus ist so hypersensibel und nimmt sich alles zu Herzen. Diese Mitschülerin ist sehr dominant und sagt z.B." Was willst du eigentlich in der 2. Klasse du bist doch erst 6? " Und noch einige andere blöde Sprüche.
Vielleicht hat Sie mal was gesagt, und Maus hat es irgendwie interpretiert. Ich weiss nicht wie Sie darauf kommt, dass Sie es nicht aufs Gymnasium schafft. Die Lehrerin ist sehr zufrieden. Es geht eigentlich nur um das Matheheft.

Auf der Montessori haben die Kinder 3 Stunden Freiarbeit, und Maus macht meistens Materialarbeit (zumindest in Mathe) oder schreibt Geschichten. Andere Kinder sitzen dafür stundenlang über den Heften und machen weniger mit Material. Dadurch ergibt sich ein großer Unterschied, wie viel ein Kind in seinem Heft stehen hat. Diese Mitschülerin fängt schon mit dem 2. Matheheft an und Maus ist erst auf Seite 8. Das sagt aber nicht viel über die Leistung aus.
Das kann auch der Nachteil von dem Montessori-Prinzip sein?




Offline Anekdote

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Re: "Leistungsvergleich"
« Antwort #4 am: Januar 14, 2012, 16:00:42 »
Ach daher weht der Wind. Es gibt neidische Mitschüler. Da musst Du ihr seelisch und moralisch unter die Arme greifen. Sie muss auf solche Aussagen, die passenden Antworten parat haben. Am besten so, dass der Dame gegenüber der Mund offen stehen bleibt.

Schulreife ist keine Frage des Alters, in der Montessori dachte ich, wäre man mal von solchen allgemeinen Vorurteilen verschont.

Und soviel ist mal sicher, solche Aussagen, kommen nicht von siebenjährigen Kindern, sondern von ihren Eltern.

Pass gut auf die Maus auf.
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Offline IchbinIch

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Re: "Leistungsvergleich"
« Antwort #5 am: Januar 16, 2012, 08:27:11 »
Hallo raminchen,

ich kann dich gut verstehen, ich habe auch so ein Sensibelchen zuhause. Mein Sohn ist jetzt 11 Jahre alt und in der 6. Klasse am Gymnasium. Fast das gesamte erste Halbjahr der 5. Klasse durch war er verkrampft und depressiv, bis wir mal merkten was los war. Er hat sich so einen Druck gemacht, weil er dachte, nur mit Einsen in jedem Fach könne er auf dem Gym bleiben. Er hatte panische Angst, auf die Realschule oder womöglich auf die Hauptschule zu müssen, und warum?
Nur weil ehemalige Mitschüler der Grundschule ihn gründlich "bearbeitet" hatten. Die hatten ihm ständig erzählt, er würde es niemals auf dem Gym. schaffen und müsse bestimmt nach einem halben Jahr runter, was dann oberpeinlich wäre und es sei doch viel besser, gleich auf die Werkrealschule zu gehen.
Klar war das nichts als Neid, aber in dieser Hinsicht ist mein Großer einfach zu naiv. Der glaubt, was ihm die Mitschüler erzählen.

Mit Unterstützung der Lehrer haben wir ihn nach und nach von diesem Tripp runterbekommen. Wir mussten ihm aufzeigen, wie viel Lernaufwand seine Klassenkameraden für eine gute Zensur betreiben müssen, und wie viel Er dagegen tun muss um in schöner Regelmäßigkeit die beste Arbeit -  in nahezu jedem Fach  - zu schreiben -  nämlich fast NIX.

Das hatte zwar geholfen, und den Lehrern sind wir auch sehr dankbar für Ihre Unterstützung, aber die Medaille hat auch eine Kehrseite. Mein Herzelchen hat es einigermaßen kapiert, aber anstatt zufrieden zu sein, hat er nun angefangen anzugeben wie Graf Ro** von der Backe. Auch nicht gerade förderlich....

Wir erleben immer eine Gradwanderung zwischen Übermotivation und Resignation. Wir brauchen unendlich viel Fingerspitzengefühl. Ich fürchte, das wird sich so schnell auch nicht ändern.
Dir alles Gute
LG IchbinIch
... aber dann bleibt das Tier mit einem Ruck, mitten im Spazierengehen, mitten auf der Straße stehen,
und es sagt ganz laut zu sich: sicherlich gibt es mich: Ich bin Ich!

Offline raminchen

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Re: "Leistungsvergleich"
« Antwort #6 am: Januar 16, 2012, 09:24:32 »
Danke für Eure Antworten.

@Anekdote: Dass solche Aussagen von den Eltern dieser Mitschülerin kommen, kann ich mir in diesem Fall gut vorstellen. Von denen habe ich nämlich  diesen oft typischen Satz gehört:" Wir hätten unsere Tochter auch schon mit 5 einschulen können, aber wir wollten Sie noch länger Kind sein lassen" - blablabla. Hat mich damals schon geärgert.

Unsere Große ist normalerweise nicht auf den Mund gefallen, und oft genug macht Sie selbst mich sprachlos mit ihren Argumenten, aber in der Schule traut Sie sich leider überhaupt nicht den Mund aufzumachen. Die Kleine im Kiga. übrigens auch nicht.
Ich weiss auch nicht wie ich meinen Kindern helfen soll, dass Sie ihre Meinung sagen. Gerade weil Sie sich total anpassen und bei anderen Leuten so lieb und gehorsam sind, sind Sie sehr beliebt.
Ich hoffe wenn Sie älter werden, trauen Sie sich ihre Meinung zu sagen.

LG

Offline Anekdote

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Re: "Leistungsvergleich"
« Antwort #7 am: Januar 16, 2012, 11:41:09 »
@ichundich Wahnsinn, wie das Selbstwertgefühl leidet, wenn nur ausgiebig daran rumgesägt wird. Wer solch neidischen Klassenkameraden hat, braucht keine Feinde mehr.

Danke für Deinen Bericht. Das ist ja mehr als aufschlussreich.

@Raminchen - Das ist hier das selbe. Zu hause Hans Dampf in allen Gassen, ein Selbstbewusstsein und eine Art Ding durchsetzen zu wollen, dass es Dir den letzten Nerv raubt, doch in der Schule das brave, folgsame Mädchen geben, absolut lehrerkonform.  Das was vom Lehrer kommt und für das Kind so gar nicht geht, wird auch nur zu hause rausgelassen. Dieses Doppelleben macht mich auch ganz fertig. Dumme Bemerkungen von Mitschülern kann sie schon mal ignorieren, doch was es gäbe, wenn es so passieren sollte wie von Dir und ichundich beschrieben, weiß ich nicht.
« Letzte Änderung: Januar 16, 2012, 11:46:43 von Anekdote »
"Individuelle Förderung, alle sagten bei uns geht das nicht. Dann kam einer, der das nicht wusste und machte es einfach. " nach Begabungspädagogin Petra Esser

Offline raminchen

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Re: "Leistungsvergleich"
« Antwort #8 am: Januar 16, 2012, 17:22:35 »
 :D "lehrerkonform" und "Doppelleben" - trifft es auf den Punkt  p)