Autor Thema: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?  (Gelesen 7566 mal)

Adriane Hendlmeier

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Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
« am: April 15, 2016, 10:46:10 Vormittag »
Hallo liebe Mitglieder dieses Forums,

Mein Name ist Adriane Hendlmeier und ich bin Studentin an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Meine Kommilitonen und ich schreiben für unser Semestermagazin „Unsichtbar“ der redaktionzukunft.de, der Lehrredaktion meines Studiengangs.
Ich möchte einen Beitrag zum Thema „Underachievement“ machen und die Suche nach einem Betroffenen gestaltet sich leider sehr schwer, da für einen Großteil der Bevölkerung das Thema noch unbekannt ist und man auch als Betroffener vermutlich eher ungern über dieses Thema spricht.

Ich hoffe, ich verstoße hiermit nicht gegen Regeln, aber ich weiß mir leider nicht mehr anders zu helfen.

Deshalb wende ich mich nun an Euch, in der Hoffnung, jemanden zu treffen, der entweder Underachiever war und über seine Erfahrungen berichten kann, oder momentan betroffen ist und der aus dem Großraum Stuttgart kommt.
Oder auch, wenn Ihr nicht im Raum Stuttgart seid, aber bereit wärt, mich bei meinem Artikel zu unterstützen, würde ich mich freuen, ein schriftliches Interview machen zu können.

Es wäre mir eine unglaubliche Hilfe,

Herzliche Grüße,
Adriane Hendlmeier  :)


Offline Anekdote

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Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
« Antwort #1 am: April 15, 2016, 11:06:43 Vormittag »
Hallo Adriane,

nein, du verstößt nicht gegen die Regeln.  ;)

Das Phänomen Underachievement ist tatsächlich eine Art blinder Fleck. Das liegt wohl auch daran, dass es schwierig ist, Leistungen zu beurteilen. Ist ein Hochbegabter, dies kein Abi macht und nicht studiert, ein Underachiver auch wenn er in seinem Beruf TOP-Leistungen bringt? Hier tummeln sich sicher einige, die von ihren Kindern denken, dass diese weit unter ihren Möglichkeiten bleiben.

Ich denke, wir können es nicht wirklich erfassen, was z. B. ein hochbegabtes Kind leisten kann. Manchmal sind extreme Hochleister in den Medien. Ich denke, sehr sehr viele hochbegabte Kinder könnten bei entsprechender systematischer Förderung derartige Leistungen bringen. Doch diese Förderung bleibt in den meisten Fällen aus. Aus diesem Blickwinkel sind sicher viele Hochbegabte als Underachiever einzuschätzen, auch wenn sie in der Schule gute Noten schreiben.

Wenn du erwachsene Underachiever kennenlernen willst, würde ich mich mal mit Mensa in Verbindung setzen. Die halten regelmäßig Stammtische ab, wo man mal hingehen kann, und Leute sprechen kann. Wenn die Zeit knapp ist, kann Mensa sicher auch über eine Rundmail Menschen aufrufen sich zu melden, die sich für Underachiever halten. Guck mal hier. Heute sollte wieder ein Stammtisch sein. https://stuttgart.mensa.de/treffen-in-stuttgart/

Möchtest du Interviews machen oder was ist deine nähere Zielstellung?
« Letzte Änderung: April 15, 2016, 18:40:06 Nachmittag von Anekdote »
Liebe Grüße
Anekdote


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Offline betta

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Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
« Antwort #2 am: April 15, 2016, 15:57:16 Nachmittag »
Hallo Adriane,

ich habe mit meinem Sohn gesprochen, er las den Post und wäre bereit, dir auf Fragen zu antworten und vielleicht auch von sich aus etwas zu erzählen. Er ist 13 Jahre alt - ich persönlich vermute, dass es leichter wird wenn du Fragen vorbereitet hast....

Schreib doch eine pn, eventuell könnt ihr euch über Skype treffen, da wir nicht in Stuttgart oder Umgebung wohnen.

LG betta

Offline yalexandra

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Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
« Antwort #3 am: Mai 01, 2016, 17:05:05 Nachmittag »
Hallo,
Unser Sohn ist 9 und würde auch Fragen beantworten.
Also einfach melden.

Liebe Grüße

Karin

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Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
« Antwort #4 am: Mai 05, 2016, 00:28:38 Vormittag »
Hallo,ich würde mich gerne der Sache anschließen.Ich bin aus NRW und würde mich auch über Kontakt freuen.
LG Karin

Offline thinking

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Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
« Antwort #5 am: Mai 19, 2016, 14:42:30 Nachmittag »
Scheint so, als seien hier viele aus NRW unterwegs ;D Gibts hier auf welche aus Niedersachsen?

Christian

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Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
« Antwort #6 am: Juni 21, 2016, 14:04:28 Nachmittag »
Moin Adriane,
Ich missbrauche deinen Thread mal, um kurz Moralapostel zu spielen.
@yalexandra:
Underachiever. Ein Neunjähriger. Interessant?

Seine Hochbegabung ist bekannt, weswegen es kein Problem sein wird, ihn trotz möglicherweise schlechter Schulnoten an einem Gymnasium unterzukriegen.
Ist nicht böse gemeint, aber an wirklichem Underachievement - wovon man bei einem Neunjährigen niemals sprechen kann - sind meistens die Eltern und ihre Erwartungshaltungen schuld.

Gruß,
Christian

Offline kama

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Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
« Antwort #7 am: Juni 21, 2016, 14:18:38 Nachmittag »
Oh - da macht sich einer beliebt  p)

Wenn man sich hier so manchen Bericht durchliest, könnte man vielleicht doch auf den Gedanken kommen, dass auch Neunjährige sich in der Schule langweilen, abschalten und es zu schlechten Schulleistungen bringen. Wie nennt man es denn, wenn intelligente Kinder weit unter ihren Leistungen bleiben? Warum sollte ein Neunjähriger dies nicht erleben? Ab welchem Alter ist denn erlaubt, "Underchiever" sein zu dürfen?

Interessante These, dass ein Test ausreicht, um in Kind im Gymnasium unterzubringen. Da frage ich mich, woher diese Erfahrung denn stammen?

Ich glaube, hier geht es weniger um Moralapostel als viel mehr um Provozieren....

Christian

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Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
« Antwort #8 am: Juni 21, 2016, 15:18:39 Nachmittag »
@kama:

Ich habe ihren Thread gelesen:
http://forum.schicksal-hochbegabung.de/index.php/topic,983.0.html
"viele 3en kassiert hat. Die Hauptfächer sind zwar 2". Dieses Zeugnis + die Information der Hochbegabung = Gymnasium, garkein Problem!
Keiner kennt den miserablen Stand um Schulen besser als Direktoren - bei welchem man sich bei der Anmeldung (weiterführende Schule) samt Kind vorstellt (zumindest in NRW gängige Praxis). Da schert sich keiner um Noten.
Quelle: Eigene Erfahrung und die von einem Hochbegabtenverein in NRW. Mag in anderen Bundesländern anders sein, bezweifle ich jedoch.

Dass Kinder immer früher als Underachiever bezeichnet werden, finde ich alarmierend.
Wo soll das hinführen?
Übertriebene Erwartungshaltungen der Eltern können mehr anrichten, als eine Et-kütt-wie-et-kütt-Haltung.

Habe ich sie etwas angefahren? Ja, doch sie und ich stehen auf derselben Seite.
Es reicht, wenn der Sohn von einem von uns trotz Hochbegabung mit 24 seine Fachhochschulreife macht.
Die Fehler, die ich ihr vorwerfe, habe ich selber gemacht.
Habe ich zu 100% Unrecht, ärgert sie sich fünf Minuten.
Habe ich (zu einem Teil) Recht, regt es vielleicht Besserung an.
Die Aussicht genügt mir :)

Gruß,
Christian

Offline kama

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Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
« Antwort #9 am: Juni 21, 2016, 16:09:23 Nachmittag »
Zitat
Habe ich sie etwas angefahren? Ja, doch sie und ich stehen auf derselben Seite.
Es reicht, wenn der Sohn von einem von uns trotz Hochbegabung mit 24 seine Fachhochschulreife macht.
Die Fehler, die ich ihr vorwerfe, habe ich selber gemacht.
Habe ich zu 100% Unrecht, ärgert sie sich fünf Minuten.
Habe ich (zu einem Teil) Recht, regt es vielleicht Besserung an.
Die Aussicht genügt mir :)

Bin ich "sie"??
Wechselt "sie" innerhalb dieses Absatzes?

Also andere Bundesländer, andere Sitten.

Gelassenheit ist mit Sicherheit erst mal nicht schlecht - aber gerade bei Undrechievment sollte man schon ein bisserl aufmerksam sein. Denn diese Spirale dreht sich leicht in die verkehrte Richtung. Gerade bei Unterforderung, schlechte Noten wird da leicht ein schlechtes Selbstbewusstsein, höchste Verunsicherung, Orientierungslosigkeit. Nicht jeder löst dieses Dilemma mit einem späten Fachabitur...

Und wenn einer von 2 Söhnen Fachhochschulreife mit 24 macht, was macht der andere? Nichts, "in der Gosse" landen? Dann nehme ich den mit Fachabi.



Offline Anekdote

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Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
« Antwort #10 am: Juni 21, 2016, 16:40:38 Nachmittag »
Hallo Christian,

bei aller Erfahrung, die du hast, sind es auch nur eigene Erfahrungen und somit subjektiv. Da hat ein anderer möglicherweise auch wieder eine andere Sicht zu.

Das Zweite, was ich anzumerken hätte ist ,dass man nicht einfach so von draußen in eine bestehende Diskussion reingrätschen und andere mit seiner Meinung beglücken sollte. Wir alle hier wissen reinweg nichts über dich. Wie sollte man deine Meinung und Erfahrungschatz jetzt einordnen? Ich habe keine Ahnung. Dein Verhalten hier ist nicht besonders höflich und dies gewiss nicht wegen deiner unbequemen Meinung. Die darf man gerne haben.

Inhaltlich habe ich unter diesen Umständen kein Verlangen, auf deine Äußerungen einzugehen und ich scheue mich ansonsten gewiss nicht vor Diskussionen.

Liebe Grüße
Anekdote


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Offline Conny

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Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
« Antwort #11 am: Juni 21, 2016, 19:14:37 Nachmittag »
Ich verstehe nur Bahnhof  :(
Was ist ein Underachiever?  Für mich ist das halt alles Neuland!!! :-[

Offline Anekdote

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Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
« Antwort #12 am: Juni 21, 2016, 20:56:40 Nachmittag »
Das ist jemand, der nicht seinem Potenzial entsprechende Leistungen bringen kann. Hochbegabte haben Potenzial nicht nur zu hoher, sondern gar zu exzellenter Leistung. Wenn diese dann dauerhaft deutlich sichtbar unter ihrem Potenzial bleiben, kann man von Underachievment sprechen.

Wie man das in der Wissenschaft, vor allem in den Geistes- und Sozialwissenschaften, gewöhnt ist, gibt's zu jedem Thema unterschiedliche Auffassungen, Modelle, Theorien etc. Der eine vertritt die, der andere eine andere Meinung.  Beim Thema Underachievment ist es die große Frage, wie man das überhaupt definiert. Da streiten sich die Gelehrten. Die Frage ist insofern nicht unwichtig, weil man davon ja wichtige Förderentscheidungen abhängig macht. Erachtet man es normal, dass ein Kind mit Dreiern und Vierern nach Hause kommt oder sucht man zu erforschen, warum ein hoch intelligentes Kind nicht bessere Noten schreibt, die ihm den Weg zur höheren Schulform ermöglichen würden.

Wenn ein hochbegabtes Kind bereits im Rahmen der Grundschule nur Leistungen im Durchschnitt oder darunter bringt, gibt das schon berechtigten Anlass sich ernsthaft Gedanken zu machen. Anspruchshaltung der Eltern hin und her. Meine Meinung!

Es hat auch was mit dem Selbstbild des Kindes zu tun. Das leidet ja auch, wenn die Noten schlecht sind. Also ist die Frage, ob und wie man da vorgeht. Als erstes ist es wichtig, dass man das Problem überhaupt als solches erkennt, wobei wir wieder bei der Definitionsfrage sind. ;)


« Letzte Änderung: Juni 21, 2016, 21:00:47 Nachmittag von Anekdote »
Liebe Grüße
Anekdote


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Offline Conny

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Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
« Antwort #13 am: Juni 21, 2016, 21:51:10 Nachmittag »
Danke Anekdote für die gute Erklärung.  Also genau das worauf ich Antworten such, nicht schlecht!

Um aber rauszufinden, ob jemand ein Underachiever ist, sollte man doch erstmal alles andere ausschließlich?  Dann kommt aber wiefer das " WIE!!!

Online regina fenk

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Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
« Antwort #14 am: Juni 22, 2016, 07:44:08 Vormittag »
@conny: was meinst du denn  mit "alles andere ausschließen"? Mangelnde intelligenz  :D :D ? ich meine, wir reden hier i.a. ja von kinder, die entweder hb getestet sind oder bei denen man durch ihr verhalten schließen kann, dass sie überdurchschnittlich begabt sind. wenn diese kinder in der schule dann nur durchschnittsleistungen erbringen, bleiben sie klar hinter ihren möglichkeiten zurück. (und das hat mit den erwartungshaltungen der eltern wenig zu tun, das ist eine logische folgerung.)

und die (hoch)begabungsforschung nimmt an, dass das nicht gesund ist. weil kein positives Selbstbild, keine anstrengungsbereitschaft, keine freude am lernen aufgebaut wird, und weil man selbst irgendwie weiß, dass man hinter dem zurückbleibt, was man könnte...

ausschließen sollte man nur den einfluss von aktuellen Krisensituationen, Krankheiten und "Beeeinträchtigungen" wie LRS.

Underschiever gibt es übrigens nicht nur bei hb kindern, unlängst hab ich gelesen "underachiever ist im österr schulsystem nicht die ausnahme sondern die norm" weil die meisten schüler hinter ihrem potential zurückbleiben. sehr ermutigend  >:(