Autor Thema: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?  (Gelesen 6008 mal)

Offline Conny

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Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
« Antwort #15 am: Juni 22, 2016, 09:02:00 Vormittag »
Ja, das habe ich schon verstanden,  doch ob ein HB Kind in der Schule unterfordert ist oder eben nicht, das sollte doch zuerst mal rausgefunden werden. Nur weil ein Ki d HB ist, heißt es ja nicht immer gleich automatisch,  das es in der Schule unterfordert ist, nur weil es nicht immer die besten Noten heim bringt. Es gibt auch Kinder mit einer HB, denen der Schulstoff völlig ausreicht und die damit ausgelasstet sind, oder?


Was ich auch meine ist, das mein Junge zu den Kindern gehört,  der eben nicht nur Bestnoten heim bringt, und ich manchmal anzweifel, das er unterfordert ist!  Ich sehe ihn doch Zuhause bei seinen Hausaufgaben!  Vor zwei Tagen hat er zum Beispiel bitterlich geweint,  weil er eine Aufgabe nicht konnte , zudem sagt er selnst ständig,  das er Mathe nicht kann. Vielleicht ist er gar nicht unterfordert? ??!!!
Eine HB ist doch nie gleich,  oder?

Offline Bika

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Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
« Antwort #16 am: Juni 22, 2016, 10:06:17 Vormittag »
Wenn Kinder unter ihren Möglichkeiten bleiben, kann es doch  auch einfach an einem grundlegenden Desinteresse am Schulstoff liegen.

Vertiefung der Thematiken ,Erhöhung der Komplexitität würden bei meinem Sohn z.b. nichts daran ändern,daß er die Schulthemen einfach uninteressant findet.

Daher gibt es von meiner Seite nur eine Vorgabe, keine Noten schlechter als 2!  :D

Schulerfolg (jedenfalls auf Regelschulen) kann einem Hbchen meist keine Befriedigung bieten,diesen Anspruch hätte ich nie.
Aber wenn mein Kind jetzt nicht akzeptiert,daß gute Noten keinen Selbstzweck haben,sondern langfristig zur Erhaltung von Optionen dienen,lernt er es nie!


Offline regina fenk

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Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
« Antwort #17 am: Juni 22, 2016, 11:27:38 Vormittag »
@conny: also meine kinder jammern auch immer wieder "dass sie mathe nicht können". das hat unterschiedliche ursachen:
1. schule interessiert sie generell nicht (mehr)
2. mathe interessiert sie speziell nicht (mehr)
3. der mathe unterricht ist sooooo langweilig, dass sie mathe hören und schon das hirn abschalten und ohne eben zuzuhören, wie man z.B. schriftlich dividiert, kann auch das hb kind i.a. nicht schriftlich dividieren
4. sie sind es gewohnt, nach einem einzigen blick auf die angabe das ergebnis zu wissen. funktioniert das nicht, heißt das für sie "Ich bin dumm"
5. es fehlen ihnen grundlegende fertigkeiten (z.B. konnte meine große tochter lange nicht das einmalein auswendig, weil es ihr zu blöd war, das zu lernen)

alles das widerspricht in meinen augen nicht der tatsache, dass sie hb sind. es bestätigt aber die tatsache, dass "ihre schule nicht zu ihnen passt" ;-(.

Offline kama

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Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
« Antwort #18 am: Juni 22, 2016, 12:26:03 Nachmittag »
@bika: keine Noten schlechter als 2 - auch keine Arbeit mal verhauen? Wow, das nenne ich ganz schöne Ansprüche.

Also ich finde es auch schön, wenn keine 3 im Zeugnis steht, aber erzwingen kann man es ja nicht...

Offline Bika

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Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
« Antwort #19 am: Juni 22, 2016, 13:21:55 Nachmittag »
@kama,
Bei meiner Tochter bin ich unglaublich erleichtert,wenn sie überwiegend 3er auf dem Zeugnis hat,erleichtert und sehr stolz auf sie!  ;D

Bei meinem Sohn ist das völlig anders.
Er muß kein 1er Zeugnis haben ,Noten haben für uns ,wie schon gesagt ,keinen Selbstzweck.
Aber er soll sich ein wenig disziplinieren,fordere ich das nicht,würde er komplett abschalten.

Ich finde es einfach so unglaublich schade,wenn ich von hochintelligenten Kindern höre,die ohne Schulabschluss bleiben,weil sie sich mit dem Schulsystem nicht arrangieren konnten.Ihre Möglichkeiten sind dann einfach so eingeschränkt.
Das möchte ich bei meinem Sohn,soweit möglich,verhindern!

Offline Denkerin

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Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
« Antwort #20 am: Juni 22, 2016, 14:35:35 Nachmittag »
Ich schreibe mal als selbst Betroffene, wie sich die Schule so anfühlte.
Ich versuche mich zu erinnern.
Ich weiß genau, dass ich in der Schule herumsaß und grundsätzlich nicht weiter zuhörte oder mich konzentrierte. Ich habe Geschichten geträumt und diese gezeichnet.
Oft war ich total weggetreten  ;D
Mitgearbeitet habe ich schon gar nicht, ich hatte immer panische Angst etwas falsches zu sagen.
Ich hielt mich für dumm. War davon überzeugt nicht lernen zu müssen, weil ich sowieso zu dumm bin.
Ab ca. 5. oder 6. Klasse (Realschule) habe ich keine Hausaufgaben mehr gemacht. Manchmal fand ich wen zum Abschreiben, sonst gab es eben Ärger.
Das tat meinem Ruf in der Klasse besser als brav zu sein.
Trotzdem waren meine Leistungen mittelmäßig... irgendwie blieb doch noch genug hängen für eine drei oder so. Meinen Eltern war das genug.

Getestet wurde ich im Alter von 11 Jahren, was irgendwie mit der Orientierungsstufe zusammen hing. Ein engagierter Lehrer (an den ich mich nicht erinnern kann) muss der Meinung gewesen sein, dass die Leistungen von den Möglichkeiten abweichen.
Meine Eltern gaben trotz dem IQ Wert (den ich nicht kannte) meinem Wunsch nach, dass ich auf die Realschule sollte, wie meine Schwester auch.

Als ich mit Mitte 20 mein Fachabi machte (da hatten sie mir endlich von dem Test erzählt), habe ich mir zuerst Mathebücher aus der Realschule besorgt und die Grundlagen erlernt, die mir fehlten.
In den anderen Fächern ging es auch ohne Grundlagen....  Am Ende hatte ich in allen sehr gute Ergebnisse.

Dummerweise habe ich auch heute noch keine Ahnung, wie man mich hätte motivieren können und an welchem Punkt es schief gelaufen ist.
Der Stoff erschien mir stinklangweilig und ich sah einfach keinen Sinn darin mir das anzuhören. Irgendwann hat man sowieso den Anschluss verloren.

Meine Eltern redeten und redeten, ohne Wirkung. Der Ehrgeiz meiner Schwester war für mich nur ein Hinweis nicht zu versuchen, was sie sowieso besser kann.
Nachhilfelehrer, die meine Eltern bezahlten sagten nach drei Stunden ab, weil sie meine Eltern nicht unnötig das Geld aus der Tasche ziehen wollten, was diese sich absparen mussten.
Ich galt schlicht als stinkfaul und etwas störrisch und verträumt.  :-[ ;)

Gute Noten in der Schule sind für mich nicht zwangsläufig ein Zeichen von hoher Intelligenz.
Dazu braucht es Ehrgeiz, Selbstvertrauen, Geduld und Fleiß. Der Schüler muss dafür irgendwie "ins System passen".

Ich finde es sehr schade, dass auch eigene Erfahrungen nicht immer hilfreich sind im Umgang mit dem eigenen Kind.

Offline regina fenk

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Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
« Antwort #21 am: Juni 22, 2016, 17:50:01 Nachmittag »
@bika: keine note schlechter als 2 - wie schaffst du das durchzusetzen?
ich meine, meine kinder könnten das auch erreichen, wenn sie wollten. nur wollen sie halt nicht. das erklärte ziel meiner hb tochter ist es "das schuljahr zu schaffen". da kann ich säuseln, drohen, Belohnungen versprechen - Auswirkung gleich null  :(

Offline Bika

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Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
« Antwort #22 am: Juni 22, 2016, 19:59:17 Nachmittag »
@regina,ich bin selbst überrascht  :-X

So bin ich gar nicht, bei meiner Tochter ist auch eine 4 völlig in Ordnung.

Aber ,als mein Sohn notentechnisch abrutschte ,haben wir zu ihm gesagt ,keine Noten unter 2,oder du verlässt die Schule!  :o
Das hat er akzeptiert und wenn er im Unterricht döst,schaut er tatsächlich vor einer Arbeit noch mal ins Buch  8).
Er ist aber auch ,im Gegnsatz zu seiner Schweszer ,einfach kein renitentes Kind!

Er nimmt vieles mit stoischem Gleichmut hin,so ist er einfach!

Hätte er das Naturell seiner Schwester ....... ???das klappte nie!!!!  8)

Und das würden wir dann natürlich auch akzeptieren.

Haola

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Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
« Antwort #23 am: Juli 21, 2016, 20:16:02 Nachmittag »
Mit sehr viel Interesse und vielen AHA-Effekten lese ich die Beiträge in diesem Forum. Aber gerade dieser Beitrag hat mich dazu bewegt, auch meine Meinung und Erfahrungen als Beitrag zu leisten.
Wir haben drei Kinder, die alle auf Ihre ganz eigene Weise Begabungen aufweisen. Lange haben wir keine Notwendigkeit gesehen, einen der drei testen zu lassen. Aber schon im Kindergarten begann ein Weg für uns, den ich mittlerweile sogar als Leidensweg bezeichnen könnte. Unser Ältester (12 Jahre) war schon immer ein sehr introvertiertes Kind, das immer gerne alleine war, sich die Dinge aus der Entfernung angesehen hat und für den Freunde keine Notwendigkeit für sein Leben darstellten. Zu Hause wurden hochwissenschaftliche Diskussionen geführt und Interesse für sehr spezielle Dinge entwickelt. Für uns war dies Normalität, im Kindergarten wurde es zum Problem. Schnell wurden wir darauf hingewiesen, dass wir es unterlassen sollten, ihn mit nicht "altersgerechten" Dingen zu beschäftigen. Mit vier Jahren haben uns die Erzieherinnen dann mitgeteilt, dass sie unser Kind aufgegeben haben. Er müsste sich nunmal anpassen und eine Expertin für Begabungen hat uns nach einer Stunde Beobachtung gesagt, dass er ein ganz normales Kind sei und wir aufhören müssten, ihm alle Fragen zu beantworten. Unser Großer fragte nicht mehr, außer zu Hause, passte sich an. Voller Vorfreude startete er die Schule. Im ersten Jahr war er im "Zehntausender-Bereich" der Zahlen unterwegs, hat sich aber standhaft geweigert, zu schreiben. Wieder schalteten die Pädagogen eine Expertin ein. Diese hat den Verdacht der HB geäußert und den Lehrerinnen erklärt, wie unser Sohn gefördert werden könnte. Ende vom Lied war, dass wir die Schule wechseln mussten, weil die Schule diese vorgeschlagenen Differenzierungsmaßnahmen nicht vereinbar sah mit ihrem pädagogischen Konzept. Neue Schule, erst Enthusiasmus, dann radikaler LEistungsabfalll und zum Schluss war unser Kind der festen Überzeugung, er sei dumm. "Ich muss dumm sein Mama, denn die guten Note bekommen die, die genau das wiedergeben, was der Lehrer gesagt hat. Wer eine Fage mehr stellt, der sollte die Eins bekommen." Er wurde immer stiller. Die Klassenlehrerin reagierte mit Unverständnis für das Thema HB. Schließlich müssten dann die Noten etwas anders sein. Dann der Wechsel auf das Gymnasium. Hoffnung für uns alle. Schnell wurde uns gesagt, er sei zu still. Mündliche Mitarbeit werde mit mind. 50 Prozent gewertet. Meiner Meinung nach, werden introvertierte Kinder häufig verkannt. Es werden sehr viele Gruppenarbeiten gefordert und unser Sohn sagt mit Recht: "Woher will die Lehrerin wissen, was ich weiß, wenn immer alle als Gruppe bewertet werden?"  Lösungen, die nicht vorgesehen sind, werden auch nicht bewertet. An einer Schule mit 1700 Schülern ist es natürlich sehr schwer, dass einzelne Kind wirklich wahrzunehmen. Aber da sehe ich Fehler im System. Unser Sohn landet im Förderunterricht statt im Forderunterricht.
Letztendlich haben wir ihn doch testen lassen. Das Ergebnis ist ein IQ-Wert von 146. Er selber hält sich immer noch für durchschnittlich und die Lehrer bewerten ihn genauso.
Für uns als Eltern ist es sehr schwer, weil wir das Gefühl haben, allein gelassen zu werden. Unser Sohn kann sich sehr schwer selber motivieren, da er keine positive Resonanz von seinen Lehrern bekommt und er nicht mehr weiß, wofür. Ziemlich deprimierende Situation und für mich eindeutig als "underchiever" zu bezeichnen. Unser Schulsystem sieht häufig keine Kinder vor, die nach oben rausfallen. Für mich heißt Inklusion aber, dass nicht nur die 3 Prozent nach unten gefördert werden, sondern auch die 3 Prozent nach oben. Viele Lehrer sind noch viel zuwenig informiert und überfordert.
Entschuldigung für diesen langen Text, aber viel kürzer ging nicht.
Ich freue mich auf alle Reaktionen.
 

Offline Bika

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Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
« Antwort #24 am: Juli 22, 2016, 14:35:20 Nachmittag »
Oh,

das klingt echt doof!! :-[
Armer Kerl!
In welche Klasse kommt er den nun ,in die 7.?

Dein Sohn ist ja ein besonders schlaues Kerlchen,sogar höchstbegabt!

Wirklich unfassbar,in einem Land zu leben,in dem das System es billigend in Kauf nimmt,dass so ein Potential ungenutzt vor sich her dümpelt! >:(

Dass stille Kinder für ihre Art mehr oder weniger benotet werden,halte ich auch für zutiefst ungerecht !!!
Ich habe mich schon öfter gefragt,ob das eigentlich nicht gegen das Antidiskriminierungsgesetz verstößt!!

Hättet ihr denn noch schulische Optionen?
Es gäbe ja auch HB Internate,deren Zielgruppe gerade Underchiever sind!

Vielleicht könnte man längerfristig auch mal in diese Richtung denken.

Aber trotz aller Probleme.
hat dein Sohn wenigstens das Glück in einem Elternhaus zu leben,in der seine Begabung auffällt und gewertschätzt wird.
Außerdem pflegt ihr eine begeisterte und anregende Diskussionskultur,somit bekommt er zumindest zu Hause was er braucht!  :)

glg
von Bika

Offline Anekdote

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Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
« Antwort #25 am: Juli 22, 2016, 17:56:19 Nachmittag »
Hallo Haola,
herzlich willkommen hier.

warum hält er sich denn für dumm? Er ist ja nun wirklich alt genug, dass man ihm mal das Testergebnis erklären könnte.

Ansonsten gehört er würde ich sagen zu den Kindern, wo Probleme sehr erwartbar sind. Er ist doch schon eine ganze Ecke vom Durchschnitt, auf den das ganze Schulsystem aufgebaut ist, entfernt. Gibt es Hochbegabtenschulen in eurer Nähe? Ich würde mich wirklich einmal damit beschäftigen.

Was man euch erzählt hat, wie ihr mit ihm umzugehen habt, ohne Worte. Und das von vermeintlichen Experten.  p)
« Letzte Änderung: Juli 22, 2016, 17:58:11 Nachmittag von Anekdote »
Liebe Grüße
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Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
« Antwort #26 am: Juli 23, 2016, 18:56:17 Nachmittag »
Als Erstes eine kleine Erklärung: Schreiberlehrling ist Haola ;D

Danke für eure Reaktionen.

Wir haben schon in sehr viele Richtungen gedacht, aber die Möglichkeiten sind hier sehr eingeschränkt.

Ja, wir haben ihm sein Testergebnis erklärt und seit dem geht es ihm auch etwas besser. Trotzdem ist er von seinem Potenzial nicht überzeugt, da ihm in der Schule etwas anderes suggeriert wird.

Momentan sehen wir einen kleinen Hoffningsschimmer, da wir kürzlich ein Gespräch mit einer Beratungslehrerin hatten, die ihm mehrere Optionen gezeigt hat, wie eine Förderung aussehen könnte. Seine Klassenlehrerin sieht es ganz anders und wir sind mal gespannt, wie die siebte Klasse startet.

Jetzt muss sich nurnoch unser Großer selber vertrauen. Er hat sehr große Versagensängsten.

Ein muss ich noch erzählen. Nach dem Test habe ich unser Kind das erste Mal in seinem Leben erschöpft und müde erlebt. Er stellte tatsächlich nicht eine Frage mehr.....die kamen dann geballt am nächsten Tag ???

Viele Grüße

Offline Anekdote

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Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
« Antwort #27 am: Juli 23, 2016, 19:37:44 Nachmittag »
Ein zwölfjähriger Höchstbegabter in der 7. Klasse? Warum gab es nie die Gelegenheit zum Sprung für ihn? Er muss sich ja seit Jahren tatsächlich vorkommen wie im Kasperltheater.

Also irgendwie wundert es mich nicht, dass er da verkümmert. Ich würde wirklich versuchen, ihn weiter zu bringen. Diese Kinder sind im Kopf ihrer Altersgruppe weit voraus, mit einem Sprung korrigiert man das ein wenig.  Wir haben einen 12-jährigem in der Klasse meiner Tochter, der ist im selben Alter in der Hochbegabtenklasse noch nicht recht ausgelastet. Und das ist demnächst die 9.
 p)



 
Liebe Grüße
Anekdote


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Offline Schreiberlehrling

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Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
« Antwort #28 am: Juli 25, 2016, 17:45:17 Nachmittag »
Das macht uns ja so hilflos. Die Lehrer, mit denen wir die letzten Jahre zu tun hatten, haben ihn ganz anders wahrgenommen. Den Test wollten sie nicht sehen und eine eingeschaltete Schulpsychologin hat ihn Bilder seiner Familie zeichnen lassen und gemeint, dass sie anhand dieser die Intelligenz beurteilen könnte. Wir sollten ihm nicht noch das Gefühl geben, er sei Elite. Diese Äußerung tat sie vor der Klassenlehrerin, die dann fragte, ob die Schule nun in der Pflicht sei, etwas zu tun. Dies wurde von der Psychologin verneint.

Wir geben ja nicht auf, aber es ist ein sehr zermürbender Kampf.

Sein Manko ist, dass seine schriftlichen Leistungen nicht überzeugend sind. Er gerät immer sehr schnell in Streß und kann seine Leistungen dann nicht hundertprozentig abrufen.

Deshalb traut er sich selber den Sprung auch nicht zu.

Er wird in der siebten Klasse dann am Differenzierungsunterricht der 8. Klasse teilnehmen. Vielleicht/hoffentlich merkt er dann, dass er viel mehr kann, als er glaubt.

Laut unserem Gutachten ist er auf dem Stand eines siebzehnjährigen, was einen Teil seiner sozialen Probleme auch erklärt.

Ich werde weiter berichten ;)

Offline Anekdote

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Re: Artikel zum Thema Underachievement - Betroffene?
« Antwort #29 am: Juli 26, 2016, 08:54:28 Vormittag »
Die Situation mit der Schulpsychologin klingt haarsträubend. Ich weiß nicht, ob ich ihn da nicht herausgenommen hätte. Kommt auf die Handlungsmöglichkeiten insgesamt an. Aber ich wäre sicher im Quadrat gesprungen.

Ja, weiter berichten, ja das wäre schön. Doch nun erst einmal Ferien. ;)

Liebe Grüße
Anekdote


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