Autor Thema: Hochbegabt = unbeliebt?  (Gelesen 909 mal)

Offline Swenja

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Hochbegabt = unbeliebt?
« am: Juni 01, 2017, 09:39:16 Vormittag »
Hallo Ihr Lieben,

nachdem ich gestern Abend ein langes und tränenreiches Gespräch mit meiner Tochter geführt habe muss ich mich mal ausweinen bzw. um Meinungen bitten.
Mein Kind hat das Problem, dass Sie in der Klasse nicht wirklich Freunde hat. Sie wird ausgegrenzt, darf in der Pause nicht mitspielen und bekommt gesagt, dass Sie dumm, blöd und nervig wäre. Sie nimmt das ganz bewusst war und sieht es als gegeben an, dass mit Ihr was nicht stimmt. Sie sagt, Sie fühlt sich wie ein Geist mit dem niemand was zu tun haben will.
Ich habe Ihr gesagt, dass Sie gut ist so wie Sie ist. Das Sie sich an Kinder halten soll, mit denen Sie klar kommt. (2-3 Stück) Auch das man nicht von jedem gemocht werden kann und das Sie nur noch ein Jahr in der Grundschule hat. Daraufhin meinte Sie nur: Und dann? Dann kommen womöglich viele mit auf meine neue Schule und alles geht so weiter.
Ich weiß einfach nicht was ich Ihr raten soll.... Ein Schulwechsel im letzten Jahr halte ich für den falschen Weg. Ist ja auch nicht gesagt, dass es dort besser ist... Ich ärgere mich gerade das ich Sie nicht habe springen lassen in der 2. Klasse (wobei Sie auch nicht wollte da Sie sonst teilweise fast 2 Jahre jünger gewesen wäre als die Anderen) Nun kommt Sie in die 4. Klasse und somit ist springen auch keine Lösung mehr.

Habt Ihr auch solche Probleme oder liegt es echt an Ihrer Art?

Liebe Grüsse
Swenja

Offline Anekdote

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Re: Hochbegabt = unbeliebt?
« Antwort #1 am: Juni 01, 2017, 18:59:49 Nachmittag »
Hallo Swenja,


so dramatisch war die Situation bei uns nicht. Unser Kind hatte in der GS eine Freundin, wenn die mal nicht da war, war sie allerdings oft alleine.


Ich meine mich zu erinnern, deine Tochter ist auch ohne den Sprung schon deutlich jünger als die anderen. Es kann sein, dass es daran liegt und sie die anderen Mädls deshalb nicht so annehmen/akzeptieren. Wer weiß ob euch dahingehend ein weiterer Sprung geholfen hätte.Der Abstand wäre ja dann noch größer. Ein Kind das viel jünger ist als sein Umfeld muss mitunter schon richtig tough sein, um da zu bestehen. Das gibt es sicher auch, nur ist das gar nicht so einfach.


Ich würde mal mit der Lehrerin reden, es muss einfach versucht werden, das Kind zu integrieren. Dem Kind selbst die Verantwortung zu geben, finde ich problematisch. Sicher kann sie auch überlegen, ob sie was ändern kann, dasss die anderen sie anders aufnehmen. Doch sie sollte an dem Problem nicht alleine zu arbeiten haben. Da bleibt am Ende wohl nur hängen: "ich bin falsch, so wie ich bin".Das sollte allerdings keinesfalls die Botschaft an ein Kind sein.  p)
Liebe Grüße
Anekdote


Leben ist das was passiert, während du damit beschäftigt bist, andere Pläne zu machen. - John Lennon

Offline regina fenk

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Re: Hochbegabt = unbeliebt?
« Antwort #2 am: Juni 02, 2017, 08:04:04 Vormittag »
Hallo Swenja,
wenn ich dich richtig verstehe, ist deine tochter jetzt in der 3. klasse - wie war es denn bis jetzt? ist sie nie richtig integriert gewesen oder hat sich in letzter zeit etwas geändert? ich würde meinem kind auch raten, sich an die zu halten, die sie mögen... aber trotzdem auch den schmerz anerkennen, den sie hat, weil sie nicht von allen gemocht wird... und mit der lehrerin reden.

was die nächste schule betrifft: meine jüngere (jetzt 1. jahr gym) ist in eine klasse gekommen, wo fast jedes kind alleine aus einer volksschule gekommen ist. also fast niemand kannte schon vorher ein anderes kind. das war super! die haben sich innerhalb kürzester zeit "zusammengerauft" und verstehen sich bis zum heutigen tag sehr gut ;-).
vielleicht gibt es ja für deine tochter eine klasse, wo wenige ihrer bisherigen mitschüler auch hinkommen ;-).
hat sie außerhalb der schule gute kontakte zu anderen kindern? vielleicht in einem hb kurs oder so? ich glaube, das kann kinder sehr entlasten, wenn sie sehen, dass sie nicht die einzigen "anderen" sind.

zum altersunterschied: bei uns wurde das besser (meine größere ist gesprungen, mit 9 ins gym) - die ersten 2 jahre waren super, da hatte sie viele freundInnen, da hatte ich das gefühl, es passt auch von den Interessen, dem "Sozialen". dann wurde es merklich mühsamer (sie war dann in einer reinen mädchenklasse), jetzt in der 5.Klasse GANZ mühsam. Ich bin aber überzeugt davon, dass es nicht daran liegt, dass sie jünger ist - ihre einzige enge freundin in der klasse ist 18 monate älter. sondern es liegt daran, dass sie schneller, tiefer und anders denkt. sie sagt auch so sachen wie "die reden komisch, die sagen unlogische sachen...".
aber mit zunehmendem alter entwickeln die kinder z.T. andere strategien, damit umzugehen... und wenn man glück hat, sehen sie ihre begabung irgendwann als geschenk.
lg

Offline Swenja

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Re: Hochbegabt = unbeliebt?
« Antwort #3 am: Juni 02, 2017, 11:34:21 Vormittag »
Hallo Ihr Lieben,

danke für Euro Antwort. Ja, Sie war noch nie integriert. Sie sagt oft, die Kinder reden Unsinn und Sachen die so nicht stimmen und unlogisch sind. Sie möchte auch im Unterricht alleine sitzen, da Sie sie sich von dem "O-TON" Gequatsche der Kinder gestört fühlt. Es ist auch im HBZ Kurs so, dass Sie den Wunsch hat alleine zu sitzen. Dort stellt das kein Problem dar. Mit den Kindern im HBZ-Kurs versteht Sie sich gut. Wenn ich Sie auf Verabredungen anspreche kommt von Ihr nur... Die können doch eh alle nicht. Aber Sie findet es jetzt privat auch gar nicht schlimm wenn Sie nicht immer verabredet ist. Ansonsten führen wir viele Gespräche und ich bestärke Sie in Ihrem Wesen. Sag das es gut ist wenn man sich treu bleibt. Das man dann allerdings auch eben nicht mit allen Menschen zurecht kommt. Dies ist aber auch nicht der Sinn des Lebens. Der Vorteil ist natürlich, dass man mit Ihr sehr gut tiefe Gespräche führen kann.

Die Lehrerin weist alles ab. Ihre Meinung ist, dass Sie da eben durch muss und Sie das alleine klären muss. Sie spielt oft mit Ihrem gleichaltrigen Cousin sowie ab und an mit dem ein oder anderen Kind aus der Klasse.

Ich hoffe jetzt, dass es in der weiterführenden Schule besser wird. Viele HBZ-Kinder werden an das gleiche Gym gehen. Meine Angst war, dass Sie sich schultechnisch jetzt hängen lässt. Allerdings darauf angesprochen meinte Sie, dass Sie ja auf jeden fall  auf das gym möchte und nicht das nicht gefährden möchte.

Liebe Grüße
Swenja

Offline regina fenk

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Re: Hochbegabt = unbeliebt?
« Antwort #4 am: Juni 02, 2017, 12:23:17 Nachmittag »
oh ja, die geschichte mit dem alleine-sitzen. hatten wir auch. aber nicht so eindeutig: meine jüngste wollte z.B. neben X sitzen. der hat dann immer ihre stifte ausgeborgt. wollte sie nicht mehr neben ihm sitzen, sondern neben Y. die hat dann von ihr abgeschrieben. wollte meine tochter nicht mehr neben Y sitzen, sondern neben Z... bis sie in der 4.kl. erkannt hatte, dass sie am liebsten alleine sitzen würde, sich das aber der lehrerin nicht sagen traut, weil dann alle glauben, dass sie "asozial" ist.

im gym ist sie dann die ersten 2 wochen alleine gesessen, das hat sich zufällig zu ergeben. dann hat ihr KV sie gezwungen, sich zu den anderen mädchen zu setzen. kann ich verstehe, meine tochter war am anfang wenig begeistert, im endeffekt hat es aber gepasst. jetzt ist es (gerade) kein thema.
Meine große (14) würde am liebsten GANZ alleine sitzen, macht das aber natürlich nicht, weil das ja "auffällig" wäre ;-).

eure lehrerin könnte unsere VS-lehrerin sein. die meinte immer: was die kinder in der pause machen, da kann ich mich nicht drum kümmern. ;-(

ich versuch meinen kindern immer die vorteile der hb nahezubringen, was aber nicht immer einfach ist. sie haben ja keinen vergleich, wie lange z.b. die anderen kinder vokabel lernen müssen...


Offline Swenja

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Re: Hochbegabt = unbeliebt?
« Antwort #5 am: Juni 02, 2017, 12:40:59 Nachmittag »
Ach Regina,

du glaubst gar nicht was mich das beruhigt. Anscheinend ist das ja doch ein typisches HB Problem. Ich werde weiterhin versuchen Sie aufzubauen und zu bestärken damit Sie Ihre HB als etwas tolles und gutes annimmt.

Danke :-)

Offline Bika

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Re: Hochbegabt = unbeliebt?
« Antwort #6 am: Juni 02, 2017, 15:13:26 Nachmittag »
Ich glaube nicht, dass das ein "typisches HB Problem " ist.

Gute Begabung ist ja erstmal ein Ressource, die meist auch mit der Befähigung einhergeht, sich bestmöglich anzupassen.

Hochbegabung in Verbindung mit einem eigenwilligen, auf Unabhängigkeit ausgerichteten Charakter kann zu "Problemen" führen, wie du sie mit deiner Tochter erlebst.

Dann ist die gute Begabung nicht das außschließliche ursächliche Problem, sondern sie wirkt eher wie ein Verstärker. Sie bringt die Kinder erst in die Position, ihrem inneren Wesen auch ein argumentative Grundlage zu geben, weil sie über sich, ihre Bedürfnisse und die vermeintlichen "Unzulänglichkeiten " der anderen reflektieren können.
Sie werden sich ihrer Andersartigkeit bewußt und entscheiden sich dafür es auszuleben,
gehen nicht den Weg der Anpassung.

Erst wenn sie sich TROTZ  Hochbegabung nicht anpassen können, es aber wollten, sähe ich Handlungsbedarf.
Nämlich dann, wenn das Kind sich nicht selber helfen kann und leidet.

Viele HBChen sind im Schulalltag vollkommen assimiliert und fallen kaum auf.

Oder sie fallen auf, sind eher Einzelgänger,
dies jedoch aus Überzeugung! 8)



Offline Schildkröte

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Re: Hochbegabt = unbeliebt?
« Antwort #7 am: Juni 02, 2017, 19:28:41 Nachmittag »
Zum Trost,

es wird sich ändern, wenn die Klassenkameraden das System mit dem "Abschreiben" begriffen haben.

Meine Maus ist nun bei den Klassenkameraden äußerst beliebt. :-\

Mit anderen HB Kindern, egal welches Alter oder welche Interessen,  klappte es bisher sofort. Egal in welchem Umfeld.

So nach einigen Jahren mit meinen Kindern kann ich sagen, dass meine Kinder ein recht gutes Gespür für "Freund" oder "Feind" haben.

Es gibt leider auch einige Kinder, die ich sehr gern mag,  die von meinen Kindern aber nicht beachtet werden.

Erzwingen kann man da eh nichts. Vielleicht das eigene Kind auch mal auf seine Schwächen hinweisen? Hauptsächlich haben wir aber auf dei STärken hingewiesen.



Offline kama

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Re: Hochbegabt = unbeliebt?
« Antwort #8 am: Juni 03, 2017, 09:01:34 Vormittag »
Ich habe zu meiner Tochter in so einer Situation einmal gesagt, dass sie nicht alleine mit diesem Gefühl ist. Ich kenne soviele Erwachsene, die von ihrer Kindheit sagen: ich war immer ein Aussenseiter.
Ich denke, es gehört ein bisschen zum groß werden dazu, sich anders zu fühlen.
Deine Tochter scheint in vielen Situationen ja auch sehr auf Alleine hinzuarbeiten. Da sollte man es den Kindern vielleicht nicht verdenken, wenn sie sie auch so sehen.
Geht Deine Tochter denn aktiv auf die Kinder zu? Gibt es denn Spiele und Situationen, wo sie nicht hinterfragen kann / will?
Mein Junior kann sich ja auch prima beschweren - macht aber selber keinen ersten Schritt. Allerdings kann er über Fussball Freunde finden. Sport kann manchmal hilfreich sein.

Offline regina fenk

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Re: Hochbegabt = unbeliebt?
« Antwort #9 am: Juni 05, 2017, 10:36:56 Vormittag »
noch eine anekdote zum "Abstand halten". 11-jährige tochter und ich waren vorgestern an einem kleinen fluss, wo man auf den "sandbänken" lagern und plantschen kann. war viel los und wir haben nur mit mühe ein "einsames plätzchen" gefunden. später kam dann eine familie mit zwei kleinen kindern dazu und hat sich etwa 5m von uns niedergelassen, haben nett hallo gesagt und rübergelächelt.

meine tochter hatte ihr handtuch zw meinem und dieser familie, mit etwa 1m abstand zu mir. fast fluchtartig hat sie ihre sachen zusammengerafft und sich GANZ eng zu meinem handtuch (und mir) gekuschelt ;-). sie konnte dann auch nicht mehr englisch lernen sondern musste das treiben nebenan intensiv beobachten... (eher aus interesse, nicht aus ängstlichkeit)

klar ist das anders als in der schule, wo sie die anderen kinder kennt, aber für mich illustriert es doch irgendwie ihre "empfindsamkeit"...

ich glaube aber nicht unbedingt, dass es mit hb zu tun hat. meine 14-jährige hätte in jedem alter völlig anders reagiert und nach 10 minuten fröhlich mit den kindern gespielt.

Offline Swenja

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Re: Hochbegabt = unbeliebt?
« Antwort #10 am: Juni 08, 2017, 09:01:33 Vormittag »
Hallo Ihr Lieben,

sorry war die letzten Tage ziemlich eingespannt.

Also, Sie geht immer ohne Scheu auf andere Kinder zu und ist mit Feuereifer dabei. Sie spielt auch dann mit den jeweiligen Kindern gerne. Bis zu einem Punkt. Nämlich dann, wenn diese Irgendwas sagen, machen usw. was Ihr quasi aufstößt. Dann teilt Sie sich natürlich direkt mit, was Sie stört und warum und fängt das diskutieren an.
Bei manchen Kindern passiert dies nie, allerdings bei Kindern, welche "bestimmen" möchten relativ schnell.

Sie ist ja kein Einzelkind, sondern hat eine Schwester, welche 14 ist und überdurchschnittlich intelligent Diese ist jedoch in allem das genaue Gegenteil von Ihr. Ist also nicht so, dass sie nicht im Verbund sozusagen aufwächst.

Manchmal denke ich die Kleine hat alle schwierigen Charaktereigenschaften meines Mannes und mir abbekommen....