Autor Thema: Underachiever  (Gelesen 2969 mal)

Lara

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Underachiever
« am: August 13, 2015, 01:39:34 Vormittag »
Hallo,

ich gehe in die 11. Klasse eines Gymnasiums.
Letzten Monat wurde ich auf Hochbegabung getestet und mit dem Ergebnis (IQ Test) von 132.
Leider habe ich trotz meines relativ hohen IQs nicht die besten Noten in der Schule. Ich fühle mich häufig unterfordert und wähle daher z.B. in mathematischen Fächern kompliziertere Lösungswege. Das Problem ist wie folgt, die Art und Weise wie ich Probleme löse empfunden die Lehrer meist nicht als richtig. Desweiteren irritiert bzw. überfordert es die meisten Lehrer, dass ich häufig schneller fertig bin als die anderen und mich dann langeweile sodass ich eher passiv am Unterrichtsgeschehen teilnehme.
Unterstütztung kann ich eher weniger von den Lehrern erwarten. Daher wollte ich fragen ob einer vielleicht weiß, wie ich mit meiner Situation am besten umgehen kann.

LG
Lara

Lara

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Re: Underachiever
« Antwort #1 am: August 13, 2015, 01:52:02 Vormittag »
Tut mir leid, wegen der Rechtschreib und Kommafehler.

Offline Anekdote

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Re: Underachiever
« Antwort #2 am: August 13, 2015, 08:05:05 Vormittag »
Hallo Lara,

wenn die Lehrer deine Lösung als nicht richtig deklarieren, hast du dennoch das richtige Ergebnis?






Liebe Grüße
Anekdote


Leben ist das was passiert, während du damit beschäftigt bist, andere Pläne zu machen. - John Lennon

Lara

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Re: Underachiever
« Antwort #3 am: August 17, 2015, 12:02:09 Nachmittag »
Meist habe ich, trotz vermeintlich falscher Lösung, das richtige Ergebnis.

Offline Anekdote

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Re: Underachiever
« Antwort #4 am: August 17, 2015, 17:28:44 Nachmittag »
Ja, schwer verständlich. Eigentlich müssten sie sich ja für den Lösungsweg interessieren. Es gibt doch öfter mehrere Wege. Doch meine Frage, warum rechnest du nicht Schema F wie verlangt.

Meine Tochter hatte mal ne simple Aufgabe in Mathe falsch. 5. Klasse, sie sollten Fußbodenleisten für ein Zimmer berechnen bzw. wie viele von welcher Länge man kaufen muss. Sie hat mir im Auto auf dem Heimweg erklärt, wie es geht. Kein Problem, konnte sie. Ein paar Tage später kam genau die Aufgabe in einer ÜL. Ergebnis stimmte, Rechenweg war so wie sie es mir erklärt hatte und trotzdem fehlten 2/3 der Punkte.

Ich hab die Lehrerin angeschrieben und gefragt, was denn da verkehrt sei. Sie antwortete nur, das kann mich das Kind morgen selbst fragen.  Meine Tochter ist aber schüchtern und traute sich nicht zu fragen. Wir haben es nie erfahren. Für mich ein typisches Beispiel von Ausnutzung der Machtposition durch die Lehrkraft. Inzwischen hat sie zum Glück nen anderen Lehrer.

Das kommt leider auch öfter vor.
« Letzte Änderung: August 17, 2015, 17:32:39 Nachmittag von Anekdote »
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Kay

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Re: Underachiever
« Antwort #5 am: Oktober 30, 2015, 08:41:50 Vormittag »
Ich habe mal in der ersten Klasse als einzige keinen Smiley bekommen (wir mussten versuchen nach Gehör zu schreiben und sobald 1 Buchstabe richtig war, gab es einen Smiley).
Ich hatte z.B. Wiltshwain statt Wildschwein geschrieben.
Aussage der Lehrerin: ''Ich weiß 'Kay' kann das besser. Ich erwarte von ihr mehr''.
Das hat mich schon angespornt, aber auch etwas verwirrt, da ich nicht wusste, was ich falsch gemacht habe.

In Mathe später (so 7-9) wurden uns meistens mehrere Lösungswege gezeigt, was die meisten nicht einmal mitbekommen haben (die dachten das gehört zusammen). Ich hab mich dann nebenher mit den Aufgaben im Buch beschäftigt.
Meiner Erfahrung nach kannst du auch Großteile des Lösungsweges weglassen, sodass man zwar noch so halb mitbekommt, was du gemacht hast, aber nicht jeden Schritt - solange das Ergebnis richtig ist, ist der Lösungsweg den Lehrern dann egal. Ich hab ab der 6 verkürzt geschrieben und die einzigen Kommentare von den Lehrern waren ''das wäre besser wenn du das aufschreibst, wenn das Ergebnis nämlich falsch ist, kannst du dann noch Punkte für den Weg bekommen'' ich hab mir dann gedacht 'wenn ich das falsch hab, verdiene ich die Punkte auch nicht und außerdem ist das aufschreiben von jedem einzelnen Punkt Zeitverschwendung. Abgesehen davon, mache ich keine Fehler dadrin' (ich hatte schriftlich in Mathe eigentlich immer ne 1).
Leider funktionierte das bei mir nur in Mathe.
In Informatik hab ich statt mir Hilfe bei einem Problem zu holen es selbst analysiert und behoben.
Aber meine Lehrer haben eher selten verstanden, was ich in Klausuren oder so geschrieben habe - wo ich mir hinterher immer dachte 'das steht doch da, warum gibt's keinen Punkt?'

Versuche, wenn du dich langweilst etwas dagegen zu finden und lass dein Gehirn nicht einschlafen - da wieder rauszukommen ist fast unmöglich (in der 4 Klasse hatte ich nen IQ von 136 mit Störfaktoren - in der 7/8 wesentlich niedriger).
Wenn du neue Lösungswege suchst, ist das gut. So forderst du dein Hirn, lass dir das von Niemandem ausreden. Vielleicht kannst du ja den Schul-Lösungsweg während der Prüfung machen und sonst dein Ding.
Ich bereue es, mein Hirn nicht so gefordert zu haben.

Wenn du weiterhin unterfordert bist, kannst du mal mit deinen Eltern reden und vielleicht findet ihr eine Hochbegabten Klasse in eurer Nähe. Oder du kannst in eine höhere Klasse springen.
Überspringen würde ich aber nicht empfehlen, es sei denn, man arbeitet den zu lernenden Stoff vor. Weil man ja dann Lücken hat, wenn man das nicht macht. Dann fehlt was und das ist dann schwierig.
Z.B. wenn ein Kind in der Grundschule überspringen soll, sagen wir mal die dritte Klasse, dann geht es ja von der 2 in die 4. Hat aber noch keine Schreibschrift und auch noch keine Mal/Geteilt Aufgaben in Mathe gehabt, nun muss es aber in der 4 diese beherrschen um mitzukommen.
Weißt du was ich meine? Dann lieber erstmal vorlernen bis der Wissensstand auf dem der neuen Klasse ist und dann wechseln.

Lg

Offline Anekdote

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Re: Underachiever
« Antwort #6 am: Oktober 30, 2015, 09:07:04 Vormittag »
Es gibt schon auch Matheaufgaben, die hochkomplex sind. Wenn man sich einmal um eine Kleinigkeit vertut, stimmt der ganze Rest nicht mehr. Und das kann immer wieder passieren. Von daher ist das mit dem Aufschreiben der Rechenwege die beste Lösung. Wer das nicht nutzt ist nicht so clever wie er denkt. Sorry, meine Meinung. ;)

Wie will ein Lehrer denn sonst beurteilen, wie der Schüler an die Aufgabe heran gegangen ist? Er kann es schwer schaffen, jedem Schüler die Arbeiten nachzurechnen. Manch ein Lehrer hat mehrere hundert Schüler mit denen er Arbeiten schreibt. Um sich weitergehend auszulasten kann man doch in Mathe an AGs und Wettbewerben teilnehmen.
« Letzte Änderung: Oktober 30, 2015, 09:17:34 Vormittag von Anekdote »
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Kay

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Re: Underachiever
« Antwort #7 am: Oktober 30, 2015, 11:29:24 Vormittag »
Bei uns gab es sowas wie AGs und Wettbewerbe nicht, abgesehen davon hätte das mir auch keinen großen Spaß gemacht (ab der 4 Klasse).
Und mein Perfektionismus hat mir solche Fehler in Mathe auch nicht erlaubt und deshalb wollte ich auch keine Punkte für den Weg, das hatte nichts mit clever sein zu tun. Ich hab das aber auch nie gebraucht.

Meiner Erfahrung nach ist den Lehrern eh egal, wie man das Ergebnis bekommt - Hauptsache es stimmt. Nachrechnen musste bei mir nie jemand, Ergebnisse stimmen - alles ok. Nur wenn ein Ergebnis nicht stimmt, muss der Lehrer nachrechnen, DAS finde ich gemein, wenn man was falsch hat, dann hat man was falsch und nicht halbe Punkte für das richtige aufschreiben. Auswendig lernen und korrektes aufschreiben kann jeder der sich etwas damit beschäftigt - das hat doch dann nichts mehr mit Leistung zu tun. Aber einen eigenen Weg zu finden, DAS nenne ich Leistung.
In der 10 war ich mal so schnell mit der Arbeit fertig, dass der Lehrer anfing diese zu korrigieren und dann hat er auf seinem Blatt zum Korrigieren einen Fehler entdeckt, was ich sehr amüsant fand.

In Mathe hab ich mir keine Fehler erlaubt.
Bei Vokabeltests übrigens auch nicht, wenn ich nicht wusste wie man das schreibt, hab ich es gar nicht erst hingeschrieben, auch wenn es halbe Punkte gab. Genauso bei Wörtern, wo ich mir nicht 100% sicher war - hab ich dann lieber gelassen als 'naja, vielleicht ist das ja richtig' zu denken.
Da hat halt mein Perfektionismus die Hosen an.

Da fällt mir gerade ein, ein Lehrer von mir konnte einfach nicht erklären und versuchte 5 verschiedene Wege zu erklären, damit die Schüler das verstehen. Ich hab das dann beim ersten Weg verstanden und die anderen haben dann irgendwann nichts mehr verstanden. Mein Lehrer hat aber auch selbst nicht mehr gewusst, welche Wege er gezeigt hat und welche nicht - dementsprechend war ihm der Weg nachher egal. Ich hab dann angefangen und meinen Freunden erklärt, was sie beim Lehrer nicht verstanden haben.

Naja, ich würde sagen jeder ist einzigartig und hat unterschiedliche Bedürfnisse. Und es gibt kein richtig oder falsch. Man sollte nur seinen eigenen Weg finden.

Ich hab mal nen ganz tolles Schild gesehen:
           
      Wrong way                                     Right way
mit Pfeil nach links                       mit Pfeil nach rechts
                                       My way
                              mit Pfeil geradeaus

Das ist mittlerweile auch mein Motto.

Lg

Offline Anekdote

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Re: Underachiever
« Antwort #8 am: Oktober 30, 2015, 11:44:06 Vormittag »
Ich sprach nicht von Mathe in der 4. Klasse, das ist Kleinkram.


Die Fragestellerin des Ausgangsposts, der du ja auch geantwortet hattest, war ja 11. Klasse. Um diese Größenordnung geht es, Analysis, E-Funktionen, Vektorrechnung usw.



Es hilft nichts, bestimmte Dinge funktionieren nur, wenn sich Menschen an für alle gleiche Regeln halten, eben auch in Matheklausuren. Irgendwie muss es bewert- und händelbar bleiben. Das bekommen die Kinder in unteren Klassen beigebracht, weil es zweckmäßig ist.
« Letzte Änderung: Oktober 30, 2015, 11:48:40 Vormittag von Anekdote »
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Offline kama

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Re: Underachiever
« Antwort #9 am: Oktober 30, 2015, 11:50:35 Vormittag »
Also bei uns galt der Spruch: Der Weg ist das Ziel.
Richtiges Ergebnis ohne Lösungsweg = 0 Punkte. Denn man hätte es auch abschreiben können.

Hier wird beklagt, dass Lehrer nicht erklären können - erklären können, heisst m. E. einen Lösungsweg systematisch in einzelnen logischen Schritten darstellen zu können - so dass jeder folgen kann. Nimmt der Erklärende 3 Stufen auf einmal steigen die meisten aus. Es ist eine hohe Kunst gut erklären zu können, und ebenso ein Problem in logische Einzelschritte zerlegen zu können.

Kay

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Re: Underachiever
« Antwort #10 am: Oktober 30, 2015, 12:51:33 Nachmittag »
Ich hatte nur erwähnt, dass ich an AGs oder ähnlichem AB der 4 keine Lust mehr gehabt hätte, das heißt alles was nach der 4 kam also auch in der 11. Abgesehen war mir eh immer langweilig in Mathe (habe in der 4 Zuhause Matheaufgaben aus der 11 von einem ''Bruder'' gelöst).

Und die Ergebnisse hätte ich nicht abschreiben können - für Klausuren hab ich mich freiwillig alleine hingesetzt. Aber Zwischenschritte sind ja trotzdem immer noch da gewesen, nur halt nicht so ausführlich. Mein Gehirn macht halt Sprünge, die andere nicht unbedingt verstehen oder rechnet mehrerer Schritte auf einmal, dadurch bin ich froh, dass die Lehrer mich so akzeptierten. Aber wenn früher 'der Weg ist das Ziel' als Motto gewesen wäre, dann hätte ich wohl oder übel den Weg hingeschrieben, aber bei mir war das nie ein Thema - es galt im Grunde nur das fertige Ergebnis.
Aber wenn der Weg das Ziel sein soll, dann finde ich es aber auch nicht gerecht, wenn andere Wege keine Punkte bringen. Dann verstehe ich auch nicht, dass der Lehrer nicht diese Wege nachrechnet und diese separat bewertet, dann MUSS er ja jeden Weg überprüfen und nicht sagen 'dieser Weg ist mir unbekannt und dadurch automatisch falsch'.

Aber ich wollte eigentlich keine Diskussion starten.
Das war alles mein Persönlicher Eindruck und meine Erfahrungen.
Und wie gesagt, jeder sollte seinen eigenen Weg finden.

Offline Anekdote

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Re: Underachiever
« Antwort #11 am: Oktober 30, 2015, 13:08:06 Nachmittag »
Als ich Abi nachgeholt habe, hatte ich eine Mathelehrerin, die sehr bemüht war, die aber auch Probleme hatte. Sie hat Aufgaben gestellt und hat dann die Lösungen geschickt. Zur Erinnerung, ich habe Online-Abi gemacht und musste sehr viel zu Hause im stillen Kämmerchen allein klarkommen. Und sie hatte ganz oft eben auch Fehler drin. Ich habe ganz oft die Fehler aufgespürt, weil ich nicht auf ihr Ergebnis gekommen bin. Das war total nervig und kontraproduktiv, weil man eben nie Routine bekommen hat. Ich hab das in den Klausuren meist gut hinbekommen, aber war in der Prüfung leicht überfordert. ;)

Ja kama, der Weg ist das Ziel. Der kann auch anders sein, nur nachvollziehbar muss die Leistung sein . Wer meint, er braucht das nicht, muss mit den Konsequenzen, im Zweifel eben mit null Punkten leben.  Man kann gerne ein Rebell sein, um Dinge auch mal zu ändern. Nur muss man clever genug sein, zu erkennen, wo das Rebellieren was bringt und wo es sinnlos ist .
;)  p)
« Letzte Änderung: Oktober 30, 2015, 13:14:46 Nachmittag von Anekdote »
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Anekdote


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Offline regina fenk

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Re: Underachiever
« Antwort #12 am: Oktober 31, 2015, 09:07:09 Vormittag »
@anekdote: "von der logik her" wäre ich auch fürs aufschreiben des lösungswegs - eben aus gründer der nachvollziehbarkeit (bin selber eher die schusselige, d.h. ein bisserl struktur schadet nicht).
habe aber meine kids beobachtet (echt fit in mathe) - und denen wird schlicht und einfach langweilig, wenn sie jeden schritt aufschreiben (müsen) - hirn schaltet ab - und flüchtigkeitsfehler passieren einer nach dem anderen. auch nicht optimal... v.a. weil das ergebnis ja dann auch nicht stimmt.
im endeffekt muss eh jede(r) die für sich optimale methode finden  ;)