Autor Thema: Hochbegabung wird wegen Mobbing zu Minderleistung  (Gelesen 1745 mal)

Kay

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Hochbegabung wird wegen Mobbing zu Minderleistung
« am: Oktober 26, 2015, 11:09:34 Vormittag »
Hallo,
ich bin fast 24 Jahre alt. Muss jetzt mein Studium an den Nagel hängen, weil ich nicht mehr mitkomme. Dazu muss ich erwähnen, dass ich Asienwissenschaften mit chinesisch und vietnamesisch studiere und aufgrund von immer schlechter werdenden Gehör und nicht lernen können nicht mehr mitkomme.

Mein eigentliches Problem ist nur, dass ich wirklich NIE lernen musste. Mit 5 Jahren konnte ich schon einigermaßen Schreiben, konnte ohne Probleme +/- bis 100 rechnen, und war auch ziemlich wissbegierig. Ich war eigentlich immer irgendwas am Rechnen oder Zählen - bis ich es irgendwann als Zwang empfand und mich Bewusst dagegen entschied, was wirklich schwer war.
Als ich in die Grundschule kam, wurde ich wirklich gefördert von meiner Lehrerin (von mir erwartete sie immer mehr als von den anderen). Meinen Eltern wurde empfohlen, dass ich von der 1 in die 2 oder 3 Klasse gehe, doch meine Mutter (die selbst Klassen übersprungen ist) hat dagegen entschieden (ich war im Sozialkontakt noch hinterher).
In der 4 Klasse begann mein Terror. Wir bekamen eine neue Lehrerin, die mich von Anfang an nicht leiden konnte. Ich durfte nicht neben meinen Freunden sitzen... Ich wurde immer unmotivierter in der Schule. In der Freizeit jedoch war ich wie immer auf Hochleistung - konnte in der 4 Klasse, Matheaufgaben, aus der 11 Klasse lösen. Damals wurde ein IQ-Test gemacht - 136. Allerdings hat mein Hörverstehen und Sozialkompetenz mein Ergebnis runter gezogen (vermutlich habe ich schon damals mein Hörproblem gehabt). Der Psychologe, hat aber auch gesehen, dass ich Opfer von massiven mobbing seitens einer Respektsperson war. Die Lehrerin ist wegen dem Psychologen entlassen worden. Meine Eltern haben mich 2 Monate vor Schulende aus der Schule genommen.

Ich fand nun wieder etwas Spaß in der Schule, aber die Noten (war glaub ich 3,9 /4,0 oder so) konnten nicht mehr gerettet werden.

5 Klasse: Super Lehrerin, Stufen Beste mit Aussicht auf Gymnasium.
Anfang vom Ende, Mobbing von Schülern. Lehrerin ist wegen Drohungen gegen sie von der Schule gegangen.

Neuer Lehrer neues ''Pech''.
6 Klasse, gleiche Spiel wie mit 4 Klasse Lehrerin. Aber doch noch anders - Verletzung beim Sport? Kannst doch nicht nach Hase nur wegen dem kleinen Kratzer (Daumen Drehverstauchung)...
Auch in der 6 wurde bei mir eine Verknöcherung des Innenohrs festgestellt (wird mit der Zeit schlimmer) - Lehrer zeigte keine Einsicht und ich wechselte in der 7 die Klasse. Nun kein Mobbing mehr, von Lehrerseite aus.
Ich hatte auch nur zwei Freunde, die sich am Ende der 9 plötzlich gegen mich wendeten und dann war ich alleine.
Meinen Realschulabschluss machte ich mit einer 2,5 - vollkommen ohne lernen, dazu war ich nicht in der Lage. Auch Privat habe ich immer weniger mein Gehirn gefordert.

Nach der Realschule bin ich auf eine integrierte Gesamtschule und machte dort mein Abi. Ohne Mobbing, ohne Lernen. Ich bin hilflos, wenn es ans Lernen geht. Ich habe nie lernen müssen. Nun stehe ich da, mit 3,0 Abi.

Ach, ein zweiter IQ-Test wurde auch mal (glaube es war) in der 7 gemacht - genaues Ergebnis weiß ich nicht mehr, aber auf jeden Fall stark gesunken (aber Verhältnis von den Bereichen blieb gleich).

Privat kann ich mittlerweile wieder erfolgreich lernen, aber in der Uni funktioniert das einfach nicht.
Meine große Stärke ist, dass ich schnell neue Zusammenhänge verstehe (also die ersten 20-30% von Neuerlerntem). Ich habe mir 5 Instrumente und die Amerikanische Gebärdensprache zu ca 20-30% ohne Hilfe beigebracht...
Ich unterfordere mein Hirn, das weiß und spüre ich.

Ich möchte gerne wieder mein Gehirn fordern und zu Höchstleistungen bringen, aber ich weiß nicht wie.

Hat jemand von euch Tipps?
Gibt es vielleicht Gleichgesinnte?

Gruß
Kay

Offline Anekdote

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Re: Hochbegabung wird wegen Mobbing zu Minderleistung
« Antwort #1 am: Oktober 26, 2015, 15:38:54 Nachmittag »
Hallo Kay,

das mit deinem Hörvermögen tut mir leid. Ich habe selbst Probleme damit, kann das also nachvollziehen. Um deine Schulkarriere kann man dich auch nicht gerade beneiden.

Ja schade, dass du das Studium aufgeben musstest.
Ich studiere ja auch. Und höre nur noch gut auf einer Seite. Meistens sitze ich ziemlich weit unten beim Prof, damit ich das Gemurmel von den anderen nicht so mitbekomme. So geht das bei mir auf. Mittendrin sitzen ist sehr stressig.

Wenn's bei dir gar nicht geht, wie wäre es mit einem Fernstudium? Je nach Fach könnte ich mir vorstellen, klappt das auch mit der Auslastung besser.

Allerdings glaube ich, wenn du nicht in irgendwelchen komplizierten Forschungsprojekten steckst, ist es auch richtig schwierig mit der Auslastung.

Man kann sich dafür halt auch andere Steckenpferde suchen und seine Kunst immer weiter perfektionieren. Z. B. wie die Rechengenies bei Wettbewerben oder ich hab mal jemanden gesehen, der einen Zauberwürfel mit verbundenen  Augen unter Wasser löste. Wenn du extreme kognitive Auslastung brauchst, musst du mal in dich hören und schauen, was ein gutes Hobby für dich ist, das man perfektionieren könnte.

Liebe Grüße
Anekdote


Leben ist das was passiert, während du damit beschäftigt bist, andere Pläne zu machen. - John Lennon

Kay

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Re: Hochbegabung wird wegen Mobbing zu Minderleistung
« Antwort #2 am: Oktober 29, 2015, 12:38:05 Nachmittag »
Danke für die netten Worte.

Es ist soo unglaublich schwierig aus dem ''Schlaf-Modus'' wieder herauszukommen.

Fernuni hab ich auch schon probiert - Bildungswissenschaften - ist aber nicht wirklich gut gewesen, vor allem weil ich nicht wirklich selbstständig lernen kann (also nicht für Prüfungen).

Meistens verstehen Lehrer auch nicht was ich meine, weil ich mich auch nicht deutlich genug ausdrücke (ich finde das dann schlüssig und logisch, aber die Lehrer kommen damit nicht zurecht) - dann lese ich die Korrektur und denke immer ''das steht doch alles da, nur halt anders formuliert!''.
Aber man muss glaub ich auch ein Händchen dafür haben, dass die anderen das auch nachvollziehen können.

Ich habe mir schon versucht Gehirnfutter zu suchen. Aber da kommt noch meine Scanner-Persönlichkeit dazu. Nach kurzer Zeit macht mir etwas keinen Spaß mehr und langweilt mich und ich brauche neuen Input.
Also z.B. Musikinstrumente: Ich lerne die Basics, kann ein/zwei Lieder spielen und dann rühre ich das Instrument für nen Jahr ode zwei nicht an; ich nähe zur Zeit ganz gerne und das ohne Schnittmuster und dann auch eigene Ideen...
Ich lerne auch zur Zeit drei Sprachen - vielleicht bald noch eine vierte (Chinesisch, Vietnamesisch, Amerikanische Gebärdensprache und evtl. bald noch die deutsche Gebärdensprache).
Aber fast alles ist momentan langweilig.

Ich lade mir auch ständig irgendwelche Logikspiele aufs Handy (z.B. 100 doors...) aber ich habe die dann in ein paar Tagen durch - wenn ich das in einem durch machen würde wären es max. 1-2 Tage.
Die sind meistens super leicht. Aber wenn dann mal was schwer ist, macht es mir für nen paar Minuten Spaß, doch dann geb ich auf (habe halt kein Durchhaltevermögen mehr).
Als kleines Kind konnte ich Stunden über Stunden an einem Puzzle sitzen. Hab mit 2 Puzzle für 4-jährige gemacht - der Arzt hat meiner Mutter gesagt, sie würde mich kaputt machen (mich überfordern), wenn sie das zulässt und sie war unsicher und hat mir dann diese Puzzle verboten. Seit dem habe ich wohl kein Durchhaltevermögen mehr und lasse das dann lieber sein.
Aber wenn ich was zu ende mache, dann muss es aber wirklich Perfekt sein - wenn das unwahrscheinlich ist dann mache ich gar nicht erst weiter.

Vorallem was mich total nervt ist, dass egal was ich machen SOLL, MUSS für mich logisch sein (z.B. warum muss ich JETZT lernen? Die Prüfung ist doch erst in 6 Monaten! Warum muss ich JETZT mein Zimmer aufräumen... - wenn es aber heißt Besuch kommt räum mal schnell dein Zimmer auf, dann funktioniert sowas super).
Was mich auch etwas stört ist, dass ich mit Emotionen nicht gut umgehen kann (meistens bin ich völlig hilflos, wenn jemand emotionale Unterstützung braucht). Z.B. der Vater einer Arbeitskollegin ist gestorben und ich kann logisch darüber nachdenken, wie ich handeln sollte, doch ich komme damit nicht wirklich klar - in den Arm nehmen und dazu nichts sagen? Oder sollte ich was sagen? Was sollte ich sagen?... oder vielleicht doch nur zuhören?
Das ist wirklich schwierig für mich. Aber ich kann auch Leuten schwer auf die Füße treten, ohne dass ich das will - z.B. bin ich häufig im Klugscheißer-Modus und korrigiere andere (meine Mutter hat mir schon häufiger gesagt, dass das manchmal sehr verletzend ist...
jetzt bin ich doch vom Thema ganz abgekommen.
Zurück zum Thema:

Ich versuche so gut es geht, mein Gehirn auszulasten, doch das ist soo mühsam. Da gehe ich leider häufiger als gewollt den Weg, des geringsten Widerstandes.

Ach ja eine Begabung ist bei mir irgendwie in allen Bereichen, sei es Technik, Sprache, Logik, Biologie.....
Vielleicht nicht in Politik oder so.

Ach und das liegt glaube ich auch in unserer Familie.
Meine Mutter hat damals 1 (oder 2) Klassen übersprungen, meine Schwester konnte mit 6 Monaten stehen, mit 7 Monaten richtig laufen (frei) und mit drei Jahren hat sie richtig auf Erwachsenen Niveau diskutiert, mein Neffe ist mit fast 7 Monaten aufgestanden und schon mit 9 Monaten gerannt und hat schon mit 12/13 Monate mit zwei Wort Sätzen angefangen (er ist jetzt 14 Monate alt).

Muss jetzt Schluss machen - hab noch was zu tun.

Lg

Offline AllInAll

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Re: Hochbegabung wird wegen Mobbing zu Minderleistung
« Antwort #3 am: Oktober 29, 2015, 21:06:05 Nachmittag »
Hey Kay!

Viele Stellen in deinem Text kommen mir sehr bekannt vor. Früher in der sechs, sieben hatte ich immer das Gefühl in die Schule zu gehen, nur um mit meinen Freunden zusammenzukommen. Anstrengung oder gar Lernen war da nie drin. Allerdings war ich dann auch sehr demotiviert, kein Durchhaltevermögen, alles, was irgendwie nach Anstrengung roch, wurde gleich zur Seite gelegt.

Irgendwann habe ich wie du zum Glück gemerkt, dass das auch nicht da Wahre ist! Meine Rettung war damals die Musik. Ich habe generell null Talent, wenn es ums Selbermachen geht, aber sich mit dem zu Beschäftigen, was andere gemacht haben, hat mir schon immer Spaß gemacht  ;)
Also habe ich sehr viele Texte der Beatles und auch der anderen Bands auswendig gelernt  p) Anspruchsvoll und schön gleichzeitig :)

Damit kam dann auch die Motivation und das Durchhaltevermögen wieder.

M.E. kann man sich nur in Dingen richtig auslasten, die man langfristig und mit Spaß betreiben kann. Instrumente gehören bei dir wohl eher nicht dazu, Sprachen ebenso.
Man muss ein echtes Erfolgserlebnis haben, wenn man eine Aufgabe gelöst hat bzw bei einem Lied von Anfang bis Ende mitpfeifen kann, das ist das  Wichtige!!!

Grüße
AllInAll


Kay

  • Gast
Re: Hochbegabung wird wegen Mobbing zu Minderleistung
« Antwort #4 am: Oktober 29, 2015, 21:40:45 Nachmittag »
Oh, ja. Da hast du Recht.
Ich hab wirklich noch nichts gefunden, was mich langfristig glücklich macht - naja, vielleicht schon was, aber das fordert mein Hirn nicht wirklich (ich liebe es auf kleine Kinder aufzupassen und werde ab nächstem Jahr eine Ausbildung zur Erzieherin machen). Aber wirklich fordern wird das mein Hirn nicht.
Also suche ich noch nach Input für die Freizeit. Und ich hoffe, dass das dann besser wird. Aber zur Zeit fehlt jede Spur von einer Herausforderung. Aber wirklich schlimm ist nur diese Langeweile und die fehlende Motivation.

Lg