Autor Thema: Schulwechsel wegen Mobbing - und jetzt Klassenclown!  (Gelesen 2915 mal)

Offline Räubermama

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Schulwechsel wegen Mobbing - und jetzt Klassenclown!
« am: November 01, 2015, 13:05:47 Nachmittag »
 Hallo zusammen!
Ich habe einen 9-jährigen Sohn, der folgende Geschichte hinter sich hat: Bei ihm wurde 1/2 Jahr bevor er eingeschult wurde eine "weit überdurchschnittliche Begabung" festgestellt. Die gesamten Kiga-Jahre mit Integrationshilfe, wegen Verhaltensauffälligkeiten ergaben nun eher einen Sinn als die vermutete ADHS. Wir haben nun gehofft, daß ab Schulalltag alles ein bißchen besser wird, daß er dort mehr gefordert wird. Wie blauäugig!!!
Er konnte vor Schulantritt schon bis 20 Plus & Minus rechnen, und wenn ich ihm etwas erklärt habe, dann hat er es meist sofort begriffen. Er hat immer hinterfragt, wenn ihm was nicht schlüssig erschien und in so manchem Thema, das ihn interessierte, hat er sich sehr tiefgreifendes Wissen erarbeitet.
Nun kam auch er mit großen Hoffnungen in die Schule und wurde sehr schnell enttäuscht. Plötzlich traten seine Verhaltensauffälligkeiten wieder auf, die sich im letzten Kindergartenjahr gebessert haben. Bei einem Gespräch mit der Lehrerin glaubte Sie nicht, das dies an einer Unterforderung liege, sondern sie vermutete ADHS.
Die beim Kinderarzt begonnene ADHS-Testung ergab keinen Hinweis auf ADHS, worauf wir nicht weiter testeten.
Nach vielen Debatten, ließ die Lehrerin sich darauf ein, das Felix ein Extra-Heft mit kniffeligeren Aufgaben bekäme in dem er arbeiten solle. Er durfte, aber nur darin arbeiten, wenn er sein Tagessoll (sprich:die üblichen Aufgaben) erledigt hätte, ALS BONUS!! Für einen Minderleister, haha!!!
Zwei Jahre lang habe ich es versucht, bis sich letzlich auch die Direktorin gegen mich stellte. Auch die Beratungslehrerin gab nur Hilfestellungen für uns zuhause und nicht für die Schule. Filius´ Verhaltensstörungen wurden schlimmer, er wurde von Klassenkameraden verprügelt, wehrte sich mit beißen, und wurde doppelt bestraft mit Strafarbeit und Entschuldigungsschreiben für das "Opfer". In der 2.Hälfte des 2.Schuljahrs kam sowas öfters vor, so daß ich ihn nun die Schule wechseln ließ.
In seiner jetzigen Schule gibt es ein individuelles Lernsystem. Optimal für meinen Sohnemann. Endlich wurde er, vor allem in Mathe, nicht mehr ausgebremst und geht viel gerner zur Schule.
Nun kommt aber das nächste Problem: Jetzt wird er zum Klassenclown, macht nur Blödsinn, stört massiv den Unterricht und nimmt nichts und niemanden mehr ernst, auch nicht die Klassenlehrerin. Laut KL könnte sie ihm jeden Tag mit einer "roten Karte" heimschicken, so schlecht benehme er sich. Jetzt wird er an einem bestimmten Tag in der Woche von Doppelstd. Sport und anschließendem Musikunterricht ausgeschlossen, weil er dort nicht mehr "tragbar" sei. Auf meine Frage, warum er denn so Blödsinn mache, sagt er, er möchte die Klassenkameraden zum Lachen bringen. Außerdem könne er sich manchmal einfach nicht kontrollieren. Eigentlich ist er in der Klasse integriert und er hat auch schon Freunde gefunden.
Ich weiß nicht ob er immernoch unterfordert ist, oder ob es einfach nur darum geht endlich akzeptiert zu werden, bzw. zu bleiben.
Kennt jemand so ein Verhalten? Habt Ihr ähnliche Erfahrungen? Wie kann ich ihm helfen, daß er diese Chance nicht versaut?

Offline Anekdote

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Re: Schulwechsel wegen Mobbing - und jetzt Klassenclown!
« Antwort #1 am: November 01, 2015, 19:52:38 Nachmittag »
Hallo Räubermama,

herzlich willkommen.

Wie bekommst du das Problem gelöst?

Das kann man aus der Entfernung nur sehr schwer sagen. Ich denke, du solltest deinen Sohn erst einmal einer Hochbegabtendiagnostik unterziehen. In welcher Klasse ist er denn jetzt? Es klingt alles danach, als sei er noch immer nicht ausgelastet und deshalb so ein Quälgeist. Es sieht aus, als sucht er einfach Beschäftigung, Ablenkung. Andere Kinder ziehen Befriedigung aus ihrem Lernen, der Anstrengung und dem anschließenden Lernerfolg. Das hat dein Sohn vermutlich noch immer nicht und sucht dies auf andere Weise. Es kann auch sein, dass er Anerkennung sucht. Vlt. ist es auch eine Mischung aus beiden.

Daher ist es wirklich besser, du würdest ihn an kompetenter Stelle testen lassen. Danach kann man weiter sehen, ob man ihn in der Klasse individuell fördern kann oder ob er eine Klasse überspringen sollte. So lange er an der GS ist, ist das noch recht problemlos machbar. Das würde ihm immerhin ein Jahr öden Grundschul-Basics ersparen, was wirklich für viele hochbegabte Kinder eine große Quälerei darstellt.

Ich kenne das Verhalten nicht, ich habe vom Typ her das stille Kind, dass seinen Frust in sich hineinfrisst. Doch für einen echten Räuber, der mehr Forderung braucht, ist das Verhalten auch ziemlich typisch. ;)
« Letzte Änderung: November 01, 2015, 19:56:30 Nachmittag von Anekdote »
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Offline Räubermama

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Re: Schulwechsel wegen Mobbing - und jetzt Klassenclown!
« Antwort #2 am: November 01, 2015, 22:06:56 Nachmittag »
Hallo Anekdote,

vielen Dank für Deine Antwort. Mein Sohnemann besucht nun dir 3. Klasse.
Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, hat er sich bisher auch an der neuen Schule noch nicht wirklich anstrengen müssen. Vielleicht fehlt ihm immer noch ausreichend input.

Wo kann man den eine Hochbegabtendiagnostik machen?

Liebe Grüße
Räubermama

Offline Anekdote

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Re: Schulwechsel wegen Mobbing - und jetzt Klassenclown!
« Antwort #3 am: November 01, 2015, 22:26:36 Nachmittag »
Hallo,
ja am besten bei auf Hochbegabung spezialisierten PsychologInnen. Wo genau, das kommt auf euren Wohnort bzw. das Angebot vor Ort an. Bei privaten PsychologInnen zahlt man die Diagnostik allerdings selbst. Es gibt auch die Möglichkeit beim Schulpsychologischen Dienst vorstellig zu werden, allerdings haben die oft lange Wartezeiten oder haben auch oft mehr mit Kindern am anderen Ende des Begabungsspektrums zu tun und daher ist die Beratung dort nicht so gut. Ich weiß nicht, wie das bei euch ist. Du könntest bei der DGHK nachfragen, wo du bei euch eine gute Diagnostik machen lassen kannst.

In der Nähe von München, Berlin, Frankfurt oder Hamburg hätte ich auch Empfehlungen.



Liebe Grüße
Anekdote


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Offline Bika

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Re: Schulwechsel wegen Mobbing - und jetzt Klassenclown!
« Antwort #4 am: November 02, 2015, 07:57:03 Vormittag »
Hallo Räubermama,

Ich denke auch,daß du so schnell wie möglich eine aussagekräftige Hochbegabungsdiagnostik machen solltest und bei offizieller HB gepaart mit seinem Verhalten wäre es vielleicht ratsam über einen Klassensprung nachzudenken.

Mein Sohn ist auch 9, geht nun in die 5. Klassen Gymnasium und  langweilt sich  immer noch ziemlich.
 Das Problem ist ja auch ,daß stetig unterforderte Kinder kein Gefühl und Freude für Herausforderungen entwickeln können und somit große Gefahr laufen ihr Potential niemals zu vollen Entfaltung zu bringen.

ganz viel Glück
wünscht Bika

Offline regina fenk

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Re: Schulwechsel wegen Mobbing - und jetzt Klassenclown!
« Antwort #5 am: November 02, 2015, 08:34:53 Vormittag »
zur hochbegabtendiagnostik:
in ö gibt es die möglichkeit, gratis testen zu lassen (ich kenne familien, die sich die rund 300€, die du sonst zahlst, eben nicht leisten können):
zum kinderarzt gehen, erzählen, welche probleme das kind hat, ev. noch kopf- und bauchschmerzen erwähnen - überweisung für kassenpsychologen holen und gratis testen lassen ;-).
die kassenpsychologen sind zwar nicht unbedingt auf hochbegabung spezialisiert, aber i.a. recht gut in diagnostik allgemein.  (Ich kenne allerdings eine, die eine hb tochter hat)
und für eine erste einschätzung bzw. um das gutachten dann den lehrern unter die nase zu halten, reicht es...

@ räubermama: ja, das klingt weiterhin nach unterforderung. da kommt dann die (latente) langeweile am unterrichtsstoff mit dem erfolgserlebnis "die anderen kidner nehmen mich wahr, und freuen sich an dem Quatsch, den ich mache" zusammen... außerdem ist dein sohn ja, wenn ich das richtig verstehe, in eine schon bestehende kalsse als "neuer" dazugekommen, da ist es wohl och schwieriger, seinen platz zu finden.
ihn vom sport- und musikunterricht auszuschließen, finde ich sehr unpädagogisch.
lg
regina

Offline Anekdote

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Re: Schulwechsel wegen Mobbing - und jetzt Klassenclown!
« Antwort #6 am: November 02, 2015, 09:00:44 Vormittag »
Das Problem ist ja auch ,daß stetig unterforderte Kinder kein Gefühl und Freude für Herausforderungen entwickeln können und somit große Gefahr laufen ihr Potential niemals zu vollen Entfaltung zu bringen.

Davon kann ich dir ein Liedchen singen. Kommen dann mal Herausforderungen, können sie den Kindern wie ein unüberwindbares Hindernis erscheinen. Sie entwickeln keinen Ehrgeiz und keine Anstrengungsbereitschaft und sagen lieber, dass sie es nicht können oder schlimmer, dass sie gar nicht so intelligent sein können wie gedacht.

 ::)

Liebe Grüße
Anekdote


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Offline regina fenk

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Re: Schulwechsel wegen Mobbing - und jetzt Klassenclown!
« Antwort #7 am: November 02, 2015, 12:27:36 Nachmittag »
kann anekdote nur zustimmen.
meine jetzt 12jährige war in der 2.kl. von mathe so frustriert, dass sie ihr mathebuch verbrennen wollte  :(
inzwischen hasst sie mathe und ist 1. nicht dazu zu bewegen, sich auch nur minimal damit zu befassen (z.B. hüs zu machen oder auch nur im unterricht aufzupassen) und 2. fest davon überzeugt, dass sie für mathe zu dumm ist.
Mathe war im IQ-Test übrigens ihr bester untertest (aber das leugnet sie hartnäckig "war nur glück" oder "kann eh jeder").
und mit jeder nicht so tollen mathenote (ohne formeln ist halt schwierig) fühlt sie sich bestätigt, dass "sie zu dumm dafür ist"
zum HAARERAUFEN!

ach ja, sie hat ne klasse übersprungen (4.kl volksschule) - und ist zwar nicht gerade "klassenclown", aber bei jedem blödsinn dabei, der vom unterricht ablenkt, z.T. extrem kindisch und unlängst hat sie in mathe gesungen  :-[

der lange rede kurzer sinn: die "probleme" verschwinden leider nicht von selber... tu was, bevor dein sohn als "verhaltensauffällig" etikettiert ist!

lg
regina

Offline Schildkröte

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Re: Schulwechsel wegen Mobbing - und jetzt Klassenclown!
« Antwort #8 am: November 02, 2015, 17:17:02 Nachmittag »
Oje,

mein Sohn ist ein Mädchen! Er guckt sich MA auch nicht mit dem A.... an. p) Er hat auch nicht gesprungen und in MA seinen besten Bereich.



Nein, zur Ausgangsfrage. Solllte er HB sein, ist es wirklich wichtig, diese Langeweile abzustellen. Gerade, wenn er schon offen zeigt, dass ihm etwas nciht passt.

Lg

Offline regina fenk

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Re: Schulwechsel wegen Mobbing - und jetzt Klassenclown!
« Antwort #9 am: November 02, 2015, 17:35:06 Nachmittag »
@ schildkröte: aber im gegensatz zu meiner tochter kann dein sohn mathe dann bei den schularbeiten, wenn ich das richtig mitgekriegt hab...

Offline tina12

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Re: Schulwechsel wegen Mobbing - und jetzt Klassenclown!
« Antwort #10 am: Februar 16, 2016, 09:44:46 Vormittag »
Hallo Räubermama,
nicht böse gemeint, aber "weit überdurchschnittlich begabt" ist nicht gleich "hochbegabt" und im Zahlenraum bis 20 können meines Wissens viele Kinder vor Einschulung rechnen. Ich würde mich eher auf die Verhaltensauffälligkeiten konzentrieren. Welchen Wert hat er denn bei der Testung erzielt? Es gibt ausserdem die Abstufung "sehr weit überdurchschnittlich" begabt (die hatte mein Sohn mit einem Wert von 125 und Rechnen im Zahlenraum bis 100 vor Einschulung).
Ich bin kein Korinthenkacker, aber ich denke halt doch, dass diese Verallgemeinerungen die Lehrkräfte teilweise auf die Palme treiben (unsere Lehrerin meinte, auch wenn ich von unserem Sohn nur als "Kind mit besonderen Interessen" rede, heute würden ja alle Eltern denken, dass ihre verhaltensauffälligen Kinder HB sind).
Alles Gute und LG,
Tina

Offline Schildkröte

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Re: Schulwechsel wegen Mobbing - und jetzt Klassenclown!
« Antwort #11 am: Februar 16, 2016, 18:27:13 Nachmittag »
Regina,

wenn er etwas nicht kann, hat er ja seine Schwester. So in Physik schon vorgekommen.

Ein Mathethema wird hier so zerkaut, da kann er gar nicht nichts können. Wenn er die Aufgaben nicht kann oder nicht macht, bekomme ich das zum Glück auch nicht mit. b)